XV. Vorlesung. Paranoia.
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XV. Vorlesung.Paranoia.
M. H.! Unter den Zeichen des Irreseins haben neben denStimmungsschwankungen von jeher die Wahnbildungen undSinnestäuschungen, die sich sehr oft miteinander vereint finden,die Aufmerksamkeit der Beobachter besonders auf sich gelenkt.Die verschiedenen Gestaltungen des Wahns, der Größen- undKleinheitswahn, der Versündigungswahn, der physikalische Ver-folgungswahn usf., sind vielfach als Kennzeichen bestimmter Krank-heitsformen betrachtet worden. Nach unseren heutigen Erfahrungensind aus dem Bestehen und dem Inhalte der Wahnvorstellungennur in sehr beschränktem Umfange Schlüsse auf die klinische Be-deutung eines Krankheitsbildes zulässig. Die Richtungen mensch-licher Wünsche und Befürchtungen können in den verschiedenstenFormen des Irreseins dieselben krankhaften Wege einschlagen.Dennoch bleibt die Art des Krankheitsvorganges natürlich nichtganz ohne Einfluß auf die Gestaltung des Wahnes. Wir werdendaher in den folgenden Vorlesungen einige Beziehungen dieserStörung zu bestimmten Krankheitsformen etwas näher ins Auge zufassen haben.
Der stattliche, 62jährige Herr, der sich uns mit einer gewissenhöflichen Würde vorstellt, macht mit seinem sorgfältig gepflegtenKnebelbart, seinem Zwicker, seiner gut sitzenden, wenn auch schonetwas abgeschabten Kleidung den Eindruck eines Weltmannes. Erist zunächst etwas unwirsch darüber, daß er sich vor den jungenHerren ausfragen lassen soll, geht aber doch bald in ruhiger undsachlicherWeise auf ein längeres, zusammenhängendes Gesprächein. Wir erfahren von ihm, daß er als junger Mann nach Amerikaging, dort mannigfaltige Schicksale durchgemacht hat und schließ-lich in Quito lebte, wo es ihm gelang, sich als Kaufmann einkleines Vermögen zu erwerben. Mit diesem kehrte er vor 21 Jahrenin seine Heimat zurück, wurde aber bei der Lösung seiner Ge-schäftsverbindungen um bedeutende Summen betrogen. Zu Hauselebte er zunächst von seinem Gelde, verbrachte seine Zeit mit