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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XIII. Vorlesung.

mein Schweiß her. Dem Wärter entreißt er die Schlüssel, schreit:Weg, wer schwitzt, alles weg, wer schwitzt! Da herein! Der, wodagewesen ist und mich angenommen hat, bleibt da hier, ha, garkein Sorg! Er lehnt sich dann zurück, breitet die Arme aus,wickelt die Hände in die Rockzipfel und bleibt starr so liegen.Sucht man seine Stellung zu ändern oder seine Hand zu ergreifen,so gerät er sofort in starre Spannung; nähert man sich seinemKopfe, so weicht er mit demselben etwas zurück, läßt sich aberohne Widerstand in die Stirn eine Nadel stechen, die er nicht ent-fernt. Sprachliche Äußerungen erfolgen nicht mehr; dagegennickt der Kranke einmal mit dem Kopfe, als er gefragt wird, ob erden Arzt kenne. Eine genauere körperliche Untersuchung ist beidem Widerstreben des Kranken nicht möglich.

Wollen wir diesen Zustand verwirrter Erregung richtig deuten,so haben wir zunächst festzustellen, daß die Wahrnehmung desKranken anscheinend keine Störungen darbietet. Seine Versuche,etwas zu fassen, zu zerreißen, sich loszumachen, waren so geschickt,wie sie nur bei raschester und vollständigster Verwertung derSinneseindrücke möglich sind. Wenn der Kranke sich trotzdemgegen alle Anreden und Aufforderungen ablehnend verhält, so kanndas nicht auf mangelhafter Auffassung, sondern nur auf einemWiderstreben beruhen. Dieses Widerstreben aber könnte etwadurch Wahnvorstellungen oder durch Angst bedingt gewesen sein.Auf erstere deuteten weder die Handlungen noch die Reden desKranken in irgend greifbarer Weise hin; jedenfalls dürfte esungemein schwierig sein, das ganze absonderliche Verhalten ausbestimmten wahnhaften Gedankengängen zu erklären. Daß aberauch Angst nicht die Triebfeder seines Handelns war, geht ausseinem Lächeln, namentlich aber aus der Gleichgültigkeit desKranken gegen den Nadelstich hervor, während schon die leisesteBerührung seiner Hand sofort den starrsten Widerstand auslöste.

Gerade dieser letztgenannte Umstand macht es vielleicht amklarsten, daß wir es hier mit dem Krankheitszeichen des Negati-vismus zu tun haben, mit triebartigem Widerstreben ohne Begrün-dung durch Angst oder Wahnbildungen, die weit häufiger fehlen,als sie vorhanden sind, mithin keinesfalls die wahre Ursache dernegativistischen Erscheinungen bilden können. Der Negativismusaber kommt, soviel heute feststeht, abgesehen von gewissen, noch