Delirien.
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schäftigt, faselt abgerissen und unverständlich vor sich hin. Erstbei sehr eindringlichem Zureden gelingt es, seine Aufmerksamkeitzu erregen und einzelne Äußerungen von ihm zu erhalten, diezunächst sinngemäß sind, aber rasch zusammenhangslos werden.Er sei mit 24 Jahren auf die Welt gekommen, Sohn vom KaiserWilhelm; sein Vater heiße Germanicus. Mit einem wunderschönenJudenmädchen sei er verlobt, weiß aber ihren Namen nicht mehr.Hier befinde er sich im Krankenhause; das gehöre ihm; bisweilenkomme er sich etwas verrückt vor. Der Kaiser von Rußland habeihm 2 Milliarden Bergwerke geschenkt auf Neuseeland; die strotzenvon Gold. Er müsse sterben, könne nicht sprechen, habe dieSehnen eines Menschenfressers, einen silbernen Arm, keinen Kehl-kopf mehr. Man wolle ihm die Augen ausreißen, solle ihm einneues Herz einsetzen. Die umliegenden Berge habe er bedeutenderhöht, könne Mäuse machen.
Der Kranke ist ablenkbar, knüpft an irgend einen zufälligenEindruck an, springt ganz verworren von einem Gedanken zumanderen über. In der Luft sieht er Vögel fliegen, spricht von Leutendraußen, die nicht herein kommen sollen, meint, er habe die ganzeNacht gearbeitet, die Borten von den Decken geschnitten. SeineStimmung ist bald heiter, bald ärgerlich, zornig. Vorübergehendwird er ängstlich, bricht dann wieder in heftiges Schimpfen aus,verlangt, man solle den Wärter, der sich mit ihm zu schaffenmacht, augenblicklich tot schlagen oder zusammenschießen.
Das Zustandsbild, das wir hier vor uns haben, ist offenbar eindeliriöses. Der Kranke ist benommen, unklar, verworren, erregtund hat Sinnestäuschungen. Einzelne Züge dieses Bildes, dasZittern, die Unsicherheit der Bewegungen, das Sehen von fliegendenVögeln, die heitere Stimmung, das Beschäftigungsdelirium, dasHerumwühlen und Nesteln, erinnern uns sehr an die früher be-sprochenen alkoholischen Delirien. Dennoch haben wir eine Reihewichtiger Abweichungen zu verzeichnen. Unser Kranker ist vielverworrener, als Alkoholdeliranten zu sein pflegen; er macht auchüber seine früheren Lebensverhältnisse unsinnige Angaben; end-lich weisen die von ihm geäußerten abenteuerlichen Wahnvor-stellungen auf eine Veränderung des Persönlichkeitsbewußt-seins hin, wie sie bei jenen Kranken niemals vorkommt.
Dagegen zeigt uns die körperliche Untersuchung des Kranken
Kraepelin, Einführung. 2. Aufl. 9