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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XII. Vorlesung.

findet sich bei dieser Krankheit fast nur im ersten Beginne nebenlebhaften ängstlichen Gefühlsschwankungen und meist sehr deut-lichen Gehörstäuschungen, über die wir bei der guten Auffassungsolcher Kranker meist leicht Auskunft erhalten. Zudem fehlen beiunserer Kranken völlig die Absonderlichkeiten des Handelns undWollens, die der Dementia praecox in allen Abschnitten der Krank-heit ihr eigenartiges Gepräge zu geben pflegen. Wir würden dem-nach auch ohne Kenntnis der Vorgeschichte in dem vorliegendenZustandsbilde keine der bisher besprochenen Formen des Irre-seins erblicken.

Dagegen können uns dieZeichen der psychischen Lähmung,die uns auf dem Gebiete der Auffassung, des Denkens, der Erinne-rung, des Fühlens und Handelns gleichmäßig entgegentreten, daraufhinweisen, daß hier eine Schädlichkeit allgemeinerer Art eingewirkthaben dürfte, die nach allen jenen Richtungen hin ihren Einflußgeltend gemacht hat. Zunächst wäre etwa an eine Paralyse zudenken, für die jedoch in dem ganz negativen körperlichen Befundekein genügender Anhalt vorliegt. Unter diesen Umständen würdenwir mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit die Annahme aufstellendürfen, daß in unserem Falle eine akute körperliche Erkrankungvoraufgegangen ist. In Wirklichkeit sind wir zu dieser Vermutungfreilich müheloser durch die Angabe der Kranken selbst gelangt,aber ich möchte Ihnen zeigen, daß wir zur Not unseren Weg auchohne dieselbe zu finden vermögen.

Das ist deswegen wichtig, weil eine voraufgehende körperlicheErkrankung an sich durchaus nicht immer die Ursache der Geistes-störung zu sein braucht. Wir sehen vielmehr häufig genug, daß dieAnfälle des manisch-depressiven Irreseins, der Dementia praecox,ja gelegentlich der Paralyse, durch eine körperliche Krankheitmehr zufällig ausgelöst werden. In solchen Fällen läßt sich selbst-verständlich aus dem klinischen Bilde der Rückschluß auf die aus-lösende Ursache nicht durchführen. Zugleich aber dürfen wirdann an die Entstehungsweise der Geistesstörung keine Vermutun-gen über ihren weiteren Verlauf und Ausgang knüpfen, wie es unsbei unserer Kranken gestattet ist. Sind wir sicher, daß die Psy-chose nur durch das Erysipel verursacht wurde, wie es uns hier diebesondere klinische Gestaltung des Krankheitsbildes zeigt, sodürfen wir mit Bestimmtheit einen raschen und günstigen