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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Irresein bei akuten Krankheiten.

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erzeugten Geistesstörungen nicht die gleiche schlimme Bedeutungwie die Initialdelirien. Vielmehr bilden sie mit wenigen anderenFormen die einzigen Gestaltungen des Irreseins, die auch imstrengsten wissenschaftlichen Sinne eine vollständige, dauerndeHeilung zulassen und fast immer erreichen. Ich zeige Ihnen hiereine 50jährige Frau, die teilnahmlos dasitzt, aber auf Befragenmit leiser, müder Stimme Antwort gibt. Sie weiß, daß sie sichin einem Spital befindet, daß wir Ärzte sind, kann aber nichtangeben, wie lange sie hier ist und wie sie herkam. Die Gesichts-rose habe sie gehabt, und die sei in den Kopf zurückgeschlagen;dann war sie ganz verwirrt, weiß nicht mehr, was vorgegangenist. Sie gibt zu, Stimmen gehört und Erscheinungen gesehen zuhaben, kann aber nichts Genaueres darüber sagen, als daß Vögelherumflogen. Die Kranke faßt schwer auf, muß sich lange be-sinnen, auch bei einfachen Fragen, nach ihrem Alter und Geburts-jahr, Monat und Tag, antwortet zögernd und einsilbig, vielfachfalsch oder doch unsicher. Für krank hält sie sich nicht. Aufforde-rungen befolgtsie erst nach wiederholten, eindringlichen Mahnungen.Die Stimmung ist etwas gedrückt, weinerlich, aber ziemlich stumpf.Über die Entwicklung der Krankheit wissen wir, daß die Frauaus gesunder Familie stammt und selbst gesund war, bis sie vor3 Wochen wegen Kopfrose ins Krankenhaus kam. Dort trat plötz-lich große Herzschwäche auf; zugleich äußerte die Kranke, siesei tot, wollte nicht mehr essen, mußte mit der Sonde ernährtwerden. Nach einer nochmaligen Steigerung des Erysipels sankdie Körperwärme vor 14 Tagen plötzlich auf 35,8, während dieKranke ganz teilnahmlos und verwirrt wurde und zu halluzinierenbegann.

Das Bild, das die Kranke jetzt darbietet, läßt sich mit keinerder uns bisher bekannten Formen zur Deckung bringen. Es bestehtwohl eine gewisse Ähnlichkeit mit dem cirkulären Stupor, dochist einerseits die Verworrenheit und Unklarheit der Kranken zugroß, andererseits fehlt die lebhafte gemütliche Depression, undendlich tritt in ihrem psychomotorischen Verhalten nicht sowohleine Hemmung, die trotz der Anstrengung nicht überwunden wer-den könnte, als vielmehr eine gewisse Schlaffheit hervor. Auchin den Rahmen der Dementia praecox läßt sich der Zustandnicht einfügen. Ausgeprägtere Unbesinnlichkeit und Unklarheit