Paralytischer Größenwahn.
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Er sei ein Genie, spreche alle Sprachen der Welt, gieße eineKirche aus Gußstahl, verschaffe uns vom Kaiser die höchstenOrden, erfinde ein Mittel, die Narren zu bändigen, schenke derAnstaltsbücherei 1000 Bände, meist philosophische Werke, habelauter göttliche Gedanken. Diese Größenideen wechselten fort-während, entstanden im Augenblicke, um rasch von neuen abgelöstzu werden. Der Kranke zeigte große Ablenkbarkeit, überglückliche,aber leicht ins Weinerliche umschlagende Stimmung und lebhaftemotorische Unruhe, sprach, schrieb und zeichnete ohne Unterlaß,bestellte sich kurzerhand alles, was in den Anzeigen der Zeitungenangeboten wurde, Lebensmittel, Villen, Kleider, Zimmereinrich-tungen u. s. f. Bald war er Graf, Generalleutnant, schenkte demKaiser ein ganzes Feldartillerieregiment, erbot sich, die Klinik obenauf einen Berg zu versetzen. Zeitweise war er gereizt, geriet mitanderen Kranken in Streit, zerstörte, beruhigte sich aber immerbald wieder. Mehrfach trat Harnverhaltung und unwillkürlicherHarnabgang auf.
Zwei Monate nach der Aufnahme begann der Kranke überGehörstäuschungen zu klagen. Freunde standen draußen undsprachen über ihn; er hörte seine Kinder schreien, die genot-züchtigt wurden. Zugleich wurden ihm Nachrichten über großeGeldschenkungen auf diese Weise übermittelt. In der Nacht faßtenWärter an seine Geschlechtsteile; im Essen war Gift, Graphit.Nach und nach wurde er immer ruhiger und geriet in den geistigenSchwächezustand, in dem Sie ihn jetzt vor sich sehen, urteilslos,gemütlich stumpf und willensschwach. Sein Körpergewicht, dasanfangs sehr stark gesunken war, hat sich allmählich um nichtweniger als 20 Kilogramm gehoben.*)
Der hier geschilderte Verlauf ist in der Paralyse sehr häufig.Nach den einleitenden Zeichen einer Abnahme der geistigen Kräfte,namentlich des Gedächtnisses, folgt eine Zeit der Erregung mitheiterer Verstimmung und mehr oder weniger ausgebildetemGrößenwahn; dann tritt die Erregung zurück, aber der Schwach-sinn bleibt. Man pflegt diese Form auch als die klassische Para-lyse zu bezeichnen, da sie zuerst den Irrenärzten genauer bekannt
*) Der Kranke ist nach 372jähriger Dauer der Paralyse stark verblödetan Miliartuberkulose gestorben.
Kraepeiin, Einführung. 2, Auf!,
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