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X. Vorlesung.
manischen Zuständen beobachtet, aber verknüpft mit den Zeichender Erregung, Ideenflucht, tatenfreudiger Stimmung und Rede-drang, während unser Kranker bei seinen vermeintlichen glänzendenAussichten merkwürdig ruhig und gleichgültig erscheint. Wirwerden uns jetzt seiner Unsicherheit in den Zeitangaben erinnern,außerdem aber ihn einer genaueren körperlichen Untersuchungunterziehen.
Der Kranke ist ein großer, hagerer, kräftig gebauter, ziemlichgut genährter Mann. Seine Züge sind etwas schlaff, müde; dielinke Nasenlippenfalte ist ein wenig mehr verstrichen, als die rechte.Beide Pupillen sind sehr eng und zeigen keine Verengerung aufLichteinfall, während die Reaktion beim Nahesehen erhalten ist.Die Zunge bietet keine Störung dar; die gespreizten Finger zitternein wenig; die Kniesehnenreflexe sind lebhaft. Beim Nachsprechenschwierigerer Wörter, wie Elektrizität, dritte reitende Artillerie-brigade, fängt der Kranke an, zu stottern, bringt die Buchstabenin falscher Reihenfolge heraus. Diese Form der Sprachstörung,das „Silbenstolpern“, ist neben der undeutlichen Ausspracheder einzelnen Buchstaben bei der Paralyse am häufigsten. ImVerein mit der reflektorischen Pupillenstarre, der Unsicherheit inden Zeitangaben und dem eigenartigen Größenwahn läßt siekeinen Zweifel darüber, daß der Kranke wirklich an fortschreiten-der Hirnlähmung leidet.
Über die Entwicklung der Krankheit wissen wir, daß derKranke anscheinend aus gesunder Familie stammt, aber ein sehrunruhiges Leben geführt und an Lues gelitten hat. Sein Leidenbegann vor etwa 2 Jahren. Er wurde zerstreut und vergeßlich,in der letzten Zeit allmählich so stark, daß ihm die Fabrik, inder er beschäftigt war, kündigte. Vor einem Jahre wurde er dannerregt, machte große Einkäufe und Pläne, weinte dazwischen wiederin tiefster Verzweiflung, so daß er in die Klinik aufgenommenwerden mußte. Bei der Aufnahme fühlte er sich sehr zum Schaffenangeregt, „geistig und körperlich so wohl wie nie“, wollte hier, woes ihm ausgezeichnet gefalle, dichten, was er besser könne, alsGoethe, Schiller und Heine. Sehr rasch entwickelte sich bei ihmein fabelhafter Größenwahn. Er wollte eine Unmasse neuerMaschinen erfinden, die Klinik umbauen, einen Dom errichten,höher als der Kölner, einen Glaspanzer um die Anstalt ziehen.