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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Manisch-depressive Mischzustände.

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Der Wert dieser Deutung liegt darin, daß wir durch sie einklares Urteil über den weiteren Verlauf der Erkrankung gewinnen.Wissen wir, daß diese eigenartigen Zustände nur Gestaltungen desmanisch-depressiven Irreseins darstellen, so werden wir für dengegebenen Anfall Genesung, für späterhin allerdings mit Wahr-scheinlichkeit eine Neuerkrankung in der gleichen oder eineranderen Form der cirkulären Zustandsbilder erwarten dürfen. Wiees scheint, besteht vielfach bei demselben Kranken die Neigung,jedesmal in einen Mischzustand gleicher Art zu verfallen; bisweilen,wie in unserem ersten Falle, bildet sich diese Neigung erst später-hin heraus, doch können sich auch zwischen mehrere Mischzuständewieder gewöhnliche Anfälle einschieben. Im allgemeinen scheinenMischzustände etwas schwerere Formen der Erkrankung darzu-stellen, als die einfachen Anfälle.*)

Schon mehrfach sind uns beim manisch-depressiven IrreseinWahnbildungen begegnet, meist Versündigungs- und Verfolgungs-ideen, seltener Größenideen. Diese Wahnvorstellungen gehörennicht notwendig zum Krankheitsbilde. Sie können völlig fehlen,können aber auch so stark entwickelt sein, daß sie dem ganzenZustande ein fremdartiges Gepräge geben. Sie sehen hier einen19jährigen Musikschüler vor sich, der seit etwa einem Jahreerkrankt ist. Sein alter Vater ist infolge mehrerer Schlaganfällegelähmt; ein Bruder desselben soll geisteskrank gewesen sein. Dersehr begabte Kranke wurde, als er auf der Musikschule studierte,ohne greifbaren Anlaß verstimmt, fühlte sich unbehaglich, verein-samt, machte allerlei Pläne, Aufenthaltsort und Beruf zu wechseln,die er immer wieder aufgab, da er zu keinem bestimmten Ent-schlüsse kommen konnte. Bei einem Besuche in München hatteer das Gefühl, als ob die Leute auf der Straße ihm etwas zusagen hätten, als ob überall über ihn gesprochen würde. In einemWirtshause hörte er, eine anzügliche Bemerkung vom Nachbar-tische, auf die er grob antwortete. Am nächsten Tage erfaßteihn die Angst, daß seine Bemerkung als Majestätsbeleidigung auf-gefaßt werden könne; er hörte, daß Studenten vor der Türe

*) Der Kranke ist nach 20monatiger Dauer des Anfalles unter starkerZunahme seines Körpergewichtes vollständig genesen. In den letzten Jahrenist er leicht erregt und hat angefangen, zu trinken.

Kraepelin, Einführung. 2. Aufl.

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