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VII. Vorlesung.
den sich eine Erregung, dann eine nochmalige Depression undeine weitere Erregung anschloß. Von da ab wurden häufigeSchwankungen zwischen leichter Verstimmung und hypomanischenZuständen beobachtet, die nur von der Mutter als krankhaft erkanntwurden. Die Kranke führte dann ein unstetes Leben, erließHeiratsanzeigen, knüpfte wahllos Liebesverhältnisse an, die nichtohne Folgen blieben, wurde aber von Fremden nur für „lebens-lustig“ gehalten. Einmal heiratete sie in einem solchen Zustandewirklich, freilich nur, um sich später wieder scheiden zu lassen;dreimal wurde die Erregung so stark, daß die Kranke vorüber-gehend in einer Anstalt untergebracht werden mußte. In den De-pressionszuständen empfand sie dann immer tiefe Reue über ihreHandlungsweise während der Erregung. Dazwischen schoben sichübrigens auch längere Zeiten ein, in denen weder traurige nochheitere Verstimmung vorhanden war.
Die ganze Entwicklung und der Verlauf dieses Falles ist un-gemein kennzeichnend für das manisch-depressive Irresein. DenBeginn im jugendlichen Alter mit einer traurigen Verstimmung,den späteren Wechsel zwischen Manie und Depression, das Vor-kommen einzelner schwerer neben zahlreichen leichten Anfällen,die dem Laien kaum als krankhaft erscheinen, finden wir in der-selben Weise ungezählte Male wieder. Ebenso ist uns die Er-fahrung geläufig, daß derartige Kranke aus Familien zu stammenpflegen, in denen noch weitere Fälle von Geistesstörung vorge-kommen sind. Wir werden erwarten dürfen, daß unsere Krankeauch fernerhin eine Reihe verschieden gefärbter, leichterer undschwererer Anfälle zu überstehen haben wird*).
Auch der nun folgende Kranke, ein 49jähriger Schiffer, be-ginnt bei seinem Eintritte sofort zu reden und stellt sich vor als„Angeklagter unter dem Oberbefehl des Herrn Professor Gene-ral Kr.“ Er geht indessen bereitwillig auf die Beantwortung der anihn gerichteten Fragen ein, erweist sich als völlig klar über Zeit,Aufenthaltsort und Umgebung. Sehr bald jedoch gerät er in lang-
*) Die Kranke ist unter sehr starkem Ansteigen des Körpergewichtesnach ömonatiger Dauer des Anfalles genesen, hat aber in den seither ver-flossenen 12 Jahren wieder zahlreiche leichte Depressionen und Erregungendurchgemacht; inzwischen ist ihre Tochter zweimal manisch erkrankt, zumersten Male mit 15y 2 Jahren.