Manische Erregung.
69
solcher Störungen regelmäßig eine mehr oder weniger ausge-sprochene Bewußtseinstrübung.
Die Stimmung läßt die Ablenkbarkeit in dem unvermitteltenWechsel der Färbung erkennen, die von übermütigster Lustig-keit im Handumdrehen zu zorniger Gereiztheit, aber auch zuweinerlicher Verzweiflung Umschlägen kann. Bei der Gestaltungder Willensäußerungen endlich kommt die Störung als motorischeUnruhe, als Beschäftigungsdrang zum Ausdrucke. In demKranken tauchen fortwährend die mannigfaltigsten Willensantriebeauf, deren Umsetzung in Handeln durch keine Hemmungen verhin-dert, aber durch neue Antriebe sehr bald wieder durchkreuzt wird.
Vergleichen Sie diese Kennzeichnung des vorliegenden Zu-standes mit dem Bilde des vorhin besprochenen Kranken, so wer-den Sie unschwer erkennen, daß uns bei jenem dieselben Zügeentgegentraten wie hier, nur in sehr abgeschwächter Form. Auchdort bemerkten wir die Ablenkbarkeit des Gedankenganges, denWechsel der Stimmung und die Haltlosigkeit des Willens, dieNeigung, allen auftauchenden Antrieben widerstandslos nachzu-geben. In der Tat haben wir es in beiden Fällen mit demselbenKrankheitsbilde, mit demjenigen der manischen Erregung zutun. Daß die auf den ersten Blick so auffallenden Unterschiedenur gradweise sind, wird uns klar, wenn wir bei jenem Kranken mitwachsender Erregung denselben Zustand sich entwickeln sehen wiehier. Andererseits aber hat auch unsere Kranke zeitweise dasBild der „Hypomanie“ dargeboten. Allerdings trifft das nicht fürden jetzigen Anfall zu, der vor ungefähr 2 Monaten ziemlich plötz-lich begann, höchstens für die ersten Tage. Dagegen hat die Kranke,was wir nach unseren früheren Erörterungen von vornherein fürwahrscheinlich halten mußten, schon eine ganze Reihe von ma-nischen Anfällen überstanden, die zum Teil ungemein milde ver-laufen sind.
Die Frau ist jetzt 32 Jahre alt; ihr Vater war sehr aufgeregt,ebenso dessen Bruder, der durch Selbstmord starb; auch ein Vetterdes Vaters war geisteskrank. Eine Schwester der Kranken istschwachsinnig. Ihre Krankheit begann im 14. Jahre mit einemAnfalle von Depression, dem nach 2 Jahren ein Erregungszustandfolgte. Wiederum 2 Jahre später trat ein neuer Anfall traurigerVerstimmung mit Selbstanklagen und starker Hemmung auf, an