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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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V. Vorlesung.

Irrenklinik und die Leute hier seien der einzige Rest von der ganzenWelt;die ganze Herrlichkeit war mit einem Schlage aus; das seidurch ihn geschehen. Alle diese Dinge bringt er mit müdem Toneund ohne gemütliche Erregung vor, gibt nicht zu, daß es krank-hafte Vorstellungen seien. Die Ärzte kennt er; er sei jedochnicht krank.

Nach unseren bisherigen Ausführungen werden wir den hiervorliegenden Depressionszustand nicht für einen melancholischenhalten können. Dagegen spricht außer dem verhältnismäßigjugendlichen Lebensalter des Kranken namentlich die Gleichgültig-keit, mit der er die abenteuerlichsten Widersprüche vorbringt, einZeichen, das immer auf einen gewissen Grad von Urteilsschwächehindeutet. Aber auch dem manisch-depressiven Irresein kann derZustand schwerlich angehören, ebenfalls wegen des Mangels tieferergemütlicher Ergriffenheit. Zudem fehlen alle Anzeichen einerWillenshemmung; der Kranke spricht zwar wenig und leise, aberoffenbar deswegen, weil er gar nicht das Bedürfnis fühlt, sichmitzuteilen, nicht weil er außerstande wäre, entgegenstehendeHindernisse zu überwinden. Dagegen werden wir durch die schlaffeArt, wie der Kranke die unsinnigsten Wahnideen vorbringt, sehran die Fälle von Dementia praecox erinnert. Indessen vermögenwir bei unserem Kranken keine jener merkwürdigen Willens-störungen aufzufinden, die dem Bilde der Dementia praecox meistein so eigenartiges Gepräge verleihen. Der Kranke zeigt wederBefehlsautomatie noch Negativismus noch Stereotypie; er grim-massiert nicht und bietet zwar langsame und wenig kräftige, abernatürliche und ungezwungene Bewegungen dar. Da jedoch nichtalle jene Zeichen bei der Dementia praecox vorhanden sein müssen,wäre es schwer, die richtige Abgrenzung zu finden, wenn nicht diekörperliche Untersuchung des Kranken uns volle Aufklärungbrächte. Wir bemerken nämlich, daß nicht nur die rechte Pupillebedeutend weiter ist, als die linke, sondern daß beide voll-kommen lichtstarr sind, während die Konvergenzreaktion er-halten ist. Der rechte Facialis ist paretisch, die Nasenlippenfalteverstrichen. Die Zunge wird in zitternden Stößen vorgestreckt;die Kniesehnenreflexe sind beiderseits sehr lebhaft. Die Be-rührungsempfindlichkeit ist nicht gestört; dagegen empfindet derKranke keinen Schmerz, wenn man bei abgelenkter Aufmerksamkeit