V. Vorlesung. Paralytische Depressionszustände.
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scheint freilich, als ob bisher nach den einzelnen Schüben derKrankheit jedesmal wieder eine gewisse Besserung eingetreten ist;im ganzen dürfte aber doch ein allmählicher Fortschritt des Leidensstattgefunden haben. Sehr wichtig ist endlich die Erfahrung, daßimmer das Wochenbett ungünstig gewirkt hat. Das entsprichtvollkommen unseren sonstigen Beobachtungen, die uns gar nichtselten einen Anschluß der Krankheit an das Fortpflanzungsgeschäftbeim Weibe zeigen. Wahrscheinlich spielen dabei die gewaltigenUmwälzungen im Haushalte des Körpers eine bedeutsame ursäch-liche Rolle.
V. Vorlesung.
Paralytische Depressionszustände.
M. H.I Daß der 40jährige Mann, den ich Ihnen heute vor-führe, an einem Depressionszustande leidet, werden Sie auf denersten Blick erkennen. Der hagere, sehr bleiche und schlechtgenährte Kranke sitzt in schlaffer Haltung da und blickt mitfinsterer, verdrossener Miene vor sich hin, ohne uns sonderlichzu beachten. Auf Anreden wendet er kaum den Kopf, gibt aber,wenn auch mit leiser Stimme und sehr wortkarg, Auskunft. Ernennt uns sein Alter, teilt mit, daß er Reisender war, verheiratetist und zwei Kinder hat; eines ist an Gichtern gestorben. Er istviel herumgekommen, war zuletzt in Basel auf der Reise; da standaber nur noch der Bahnhof und der Portier. An weiteres könneer sich nicht mehr erinnern. Auf Befragen entwickelt er ganz gutegeschichtliche und geographische Kenntnisse, rechnet auch leidlich,bemerkt aber plötzlich dazwischen: „Ich kann mir gar nicht erklären,wo die ganze Welt hingekommen ist, die 5 Erdteile.“ Er habedoch von allen Städten früher etwas gewußt; jetzt sei aber garnichts mehr davon da. Von seiner Ehe meint er, das sei kein Ver-hältnis gewesen, kein Mann und keine Frau; die Kinder seienlauter Wahngebilde; „das hat keinen Platz in meinem Gehirn“. Anihm selbst sei nicht mehr, „als dieses elende Knochengerüst“. Die