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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Katatonischer Stupor.

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stehen und beginnt erst nach einiger Zeit, dasselbe gierig herunter-zuschlingen, hört aber sofort auf, wenn man ihr zuredet. Sonstißt sie doppelte und dreifache Mengen, nimmt auch wohl sehrgewandt und rücksichtslos anderen Kranken etwas fort.

Uber die Vorgänge in ihrem Innern ist aus ihren abgerissenenÄußerungen wenig zu erfahren. Die Kranke nennt zwar denArzt bisweilenHerr Doktor und kennt die Namen aller 'Wärte-rinnen, scheint aber sonst allerlei wahnhafte Vorstellungen zu haben,bittet, noch eine Nacht dableiben zu dürfen:Schenken Sie mirdoch noch eine Nacht vor dem vielen, vielen Feuer auf der ganzenWelt, vor dem großen Richterstuhl, vor den vielen Menschen!Sie werde gequältmit Sensen;lassen Sie mich doch gehen; dievielen Köpf und die vielen Arme, wenn ich die ganze Welt tragenmuß, die ganze Erde! Ob die Kranke wirklich lebhafte Angstempfindet, läßt sich schwer entscheiden. Bedrohungen machenauf sie keinen Eindruck; hie und da verziehen sich die sonststarren Züge zu leichtem Lächeln. Von körperlichen Störungensind erhöhte Erregbarkeit des Facialis, sehr lebhafte Kniesehnen-reflexe und bläulich-rote Verfärbung der Hände und Füße zubemerken.

Soweit es möglich ist, sich aus diesen Beobachtungen einUrteil zu bilden, scheint bei der Kranken die Auffassung ver-hältnismäßig wenig gestört zu sein, während verworrene Wahn-vorstellungen, vielleicht auch Sinnestäuschungen bestehen. Aufgemütlichem Gebiete ist eine gewisse Angst wohl vorhanden, dieaber kaum sehr lebhaft sein dürfte, während wir im Bereiche desHandelns die Erscheinungen der Stereotypie und des Negativismusin vollster Ausbildung antrefFen. Dieses Krankheitsbild, welchessich durch die zuletzt angeführten Züge vor allen bisher betrach-teten auszeichnet, nennen wir katatonischen Stupor. Der Aus-druck Stupor dient also schon hier für einen Zustand, der mit demfrüher geschilderten cirkulären Stupor nur eine ganz äußerlicheÄhnlichkeit aufweist.

Als Katatonie oder Spannungsirresein hat vor etwa30 Jahren Kahlbaum eine Krankheit beschrieben, deren hervor-stechendstes Zeichen eine Starre in den Muskeln bildete, die durchäußere Eingriffe nur noch vermehrt wurde. Die Krankheit sollteeine Reihe von verschiedenen Zustandsbildern durchlaufen und

Kraepelin, Einführung. 2. Aufl.