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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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IV. Vorlesung.

gewandt unter meinem Arme durch, um ihren Weg fortzusetzen.Hält man sie fest, so verziehen sich ihre sonst ausdruckslosen,starren Züge zu kläglichem Weinen, das erst aufhört, sobald mansie gewähren läßt. Wir bemerken dabei, daß sie mit den letztenFingern der linken Hand krampfhaft einen zerdrückten Brotrestumklammert hält, den sie sich durchaus nicht entreißen läßt. Umihre Umgebung kümmert sich die Kranke, solange man sie inRuhe läßt, nicht im mindesten; sticht man sie mit der Nadel indie Stirne, so zuckt sie kaum zusammen, wehrt nicht ab und läßtdie Nadel ruhig sitzen, ohne sich in ihrem rastlosen, raubtier-artigen Hin- und Herwandern stören zu lassen. Auf Fragen ant-wortet sie meist gar nicht, schüttelt höchstens den Kopf. Dagegenjammert sie bisweilen vor sich hin:O lieber Gott, o lieberGott, o liebe Mutter, o liebe Mutter", einförmig immer dieselbenWendungen wiederholend. Sucht man ihre Hand zu ergreifen,so entzieht sie dieselbe sehr schnell und beginnt sie schließ-lich, wenn sie nicht mehr entrinnen kann, in ihre Schürze zuwickeln. Aufforderungen befolgt sie nicht, widerstrebt vielmehrbei allem, was man mit ihr vornehmen will. Daß sie aber auf-faßt, was um sie her vorgeht, wird deutlich, wenn sie schnellihre Hand versteckt, sobald man davon spricht, ihr das Brotfortzunehmen.

In diesem Zustandsbilde treten uns zwei neue Krankheits-zeichen mit großer Klarheit entgegen: die Stereotypie und derNegativismus. Die erstere, die triebartige Neigung zu zweck-loser Wiederholung derselben Willensäußerungen, zeigt sich indem unermüdlichen Hin- und Herlaufen, dem Nesteln in denHaaren, dem Festhalten des Brotrestes, den einförmigen sprach-lichen Äußerungen. Den Negativismus, das sinnlose Wider-streben gegen jede äußere Einwirkung, erkennen wir in demMutacismus, der zwangsmäßigen Stummheit, sowie in der gänz-lichen Unbeeinflußbarkeit der Kranken.

Auch in ihrem sonstigen Verhalten sind diese Züge vielfachin sehr eigenartiger Form hervorgetreten. Die Kranke nahm längereZeit durchaus keine Nahrung zu sich, so daß vorübergehend zurSondenernährung gegriffen werden mußte. Sie verlangte zwarWasserund Kuchen dazu, nahm es dann aber nicht, sobald esihr gebracht wurde. Auch jetzt noch läßt sie ihr Essen zunächst