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III. Vorlesung. Dementia praecox.
zu zeigen, öffnete er zwar den Mund, rollte aber die Zunge mitäußerster Kraft nach hinten gegen den weichen Gaumen. Vor-übergehend wurde er ganz plötzlich blind gewalttätig gegen seineUmgebung, ohne nachher über seine Beweggründe Rechenschaftgeben zu können. Von körperlichen Krankheitszeichen ist nuretwa eine große Lebhaftigkeit der Kniesehnenreflexe erwähnens-wert.
Es wird Ihnen nicht entgehen, daß sich in diesem Krankheits-bilde die gleichen Grundzüge der gemütlichen Stumpfheit, desMangels an selbständigen Willensregungen und der erhöhtenBeeinflußbarkeit des Willens wiederfinden, die uns schon bei denfrüher besprochenen Kranken aufgefallen sind. Aber auch somanche Einzelheiten, die Sinnestäuschungen, die sonderbare Manierbeim Handgeben, stützen unsere aus der gemütlichen Stumpfheitund aus der Befehlsautomatie abgeleitete Ansicht, daß es sich auchhier um eine Dementia praecox handelt. In dem gleichen Sinneist endlich das sinnlose Widerstreben des Kranken gegen dieNahrungsaufnahme, gegen das Zeigen der Zunge, das Briefschreibensowie sein zeitweise stuporöses Verhalten zu verwerten, allesStörungen, die wir bei nächster Gelegenheit genauer zu betrachtenhaben werden. Wir kommen daher zu dem Schlüsse, daß in derTat der vorliegende Fall höchst wahrscheinlich derselben Krank-heit angehört wie die beiden früher besprochenen.
Indessen dort hatten wir es mit Erkrankungen zu tun, diebereits seit einigen Jahren bestanden und zu einem Zustandeunheilbaren Siechtums geführt hatten. Wie die Erfahrung lehrt,ist das der bei weitem häufigste Ausgang der Dementia praecox.Die Bedeutung unserer Diagnose würde also darin liegen, daß wirschon jetzt, im ersten Beginne des Leidens, mit ziemlicher Wahr-scheinlichkeit den Ausgang in einen eigenartigen SchwächezustandVoraussagen können, ähnlich wie wir beim cirkulären Stupor zugewissen Wahrscheinlichkeitsschlüssen über den weiteren Verlaufder Krankheit gelangten. Allerdings ist unsere Vorhersage keines-wegs eine ganz eindeutige. Ob die Dementia praecox einer voll-ständigen, dauernden Heilung fähig ist, die strengen wissenschaft-lichen Anforderungen entspricht, ist zur Zeit noch zweifelhaft, wennauch nicht auszuschließen. Dagegen kommen gar nicht seltenBesserungen vor, die praktisch immerhin den Heilungen an die Seite