Cirkuläre Depressionszustände.
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klar über ihre Lage, gab auf Befragen einsilbige, aber geordneteAuskunft über ihre Verhältnisse und ihre Krankheit. Schon seiteinem Vierteljahre habe sie keine Ruhe mehr, sei zerstreut, ver-geßlich, habe so kurze Gedanken. Sie könne nicht mehr froh sein;alles sei ihr verleidet; die Arbeit werde ihr schwer, so daß sienichts mehr habe fertig bringen können. Die Kranke sprach vonselbst wenig, lag meist still und mit niedergeschlagenem Gesichts-ausdrucke im Bette, mußte sich bei der Beantwortung einfacherFragen unverhältnismäßig lange besinnen, war über die zeitlicheOrdnung ihrer Erlebnisse nicht ganz klar, erkannte zunächst nicht,wo sie sich befand. Alle Äußerungen und Bewegungen erfolgtenlangsam und zögernd, wie wenn sie nicht recht wisse, was siesagen und tun solle. Die Stimmung war gedrückt; namentlichbei Besuchen weinte die Kranke viel. Ihr Leiden bezeichnete sieals „Schwermut“; bei jeder eingehenden Besprechung desselbenbrach sie in Weinen aus, ohne über ihren Zustand genauere Aus-kunft geben zu können.
Das Bild, das die Kranke jetzt darbietet, zeigt im wesentlichennoch dieselben Züge, das stille, gedrückte Wesen, den traurigenGesichtsausdruck, die leise, zögernde Sprache, die müden, lang-samen Bewegungen bei völliger Erhaltung der Besonnenheit. Da-gegen sind die Versündigungsideen viel stärker geworden. UnterTränen bezeichnet sich die Kranke als die größte Verbrecherin,da sie Mann und Kinder ins Unglück gestürzt habe; sie werde ganzgewiß hingerichtet. Das sind dieselben Versündigungsideen, diewir bei der Melancholie kennen gelernt haben. Man könnte daher,namentlich auch im Hinblicke auf das Alter der Kranken, versuchtsein, das Leiden für eine einfache klimakterische Melancholie zuhalten. Indessen steht dieser Auffassung, wie ich glaube, das deut-liche Hervortreten der Hemmung des Denkens und Wollens ent-gegen, die wir ganz in dieser Form beim manisch-depressivenIrresein, nicht aber bei der Melancholie beobachtet haben. Ichglaube daher, daß wir auf Grund dieser Zeichen berechtigt sind,unser Bild jener ersteren Erkrankung zuzurechnen. Ist diese meineDeutung d^s Falles richtig, so werden wir also nicht einen gleich-förmigen, längeren Krankheitsverlauf zu erwarten haben, der inGenesung oder in den früher kurz geschilderten eigenartigenSchwächezustand nach Melancholie ausgeht, sondern wir dürfen, da
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