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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Cirkuläre Depressionszustände.

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Zeichens wird Ihnen sofort klar werden, wenn wir einen Rückblickin die Vergangenheit werfen. Die Kranke ist nämlich schon vor4 Jahren bei uns gewesen. Sie hatte damals, von einem ver-heirateten Manne geschwängert, abortiert. Wenige Wochen nach-her wurde sie stumm und starr, äußerte Todesgedanken, sahGeister, wurde vollständig verwirrt, unklar, ratlos, ängstlich,nicht mehr kurz, es entwickelte sich ein dem jetzigen genaugleichender, nur noch schwererer Zustand von Denk- und Willens-hemmung, der etwa 7 Monate andauerte. Dann aber trat ganzrasch ein völliger Umschlag ein: die Kranke wurde klar, be-sonnen, übermütig und machte nunmehr einen sehr heftigen Er-regungszustand durch, der nach fast 6 Monaten allmählich wiederschwand. In der Genesungszeit trat vorübergehend eine leichtetraurige Verstimmung hervor; dann aber war und blieb die Krankebis zum Beginne des jetzigen Anfalles gesund.

Wir erkennen demnach, daß der aus dem augenblicklichen Zu-stande der Kranken gezogene Schluß ein zutreffender war. Bei derGleichartigkeit der beiden bisher vorliegenden Depressionszuständekann an ihrer Zugehörigkeit zu demselben klinischen Krankheits-bilde füglich nicht gezweifelt werden. Allerdings ist zu bemerken,daß beide Erkrankungen sich an ein Wochenbett anschlossen; eskönnte also die gleiche Ursache beide Male dieselbe Krankheiterzeugt haben. Andererseits jedoch haben wir das eigenartigeZeichen der Denk- und Willenshemmung ganz ebenso im vorigenFalle beobachtet, wo kein Wochenbett vorausgegangen war. So-dann aber liefert uns der spätere Umschlag der Depression inErregung, wie er bei beiden Kranken in gleicher Weise eintrat,einen neuen Beweis für die Zugehörigkeit unseres Bildes zummanisch-depressiven Irresein. Weiterhin werden wir sehen, daßdiejenigen Krankheitsbilder, bei denen wir Grund haben, wirklichdas Wochenbett als wesentliche Ursache zu betrachten, ganz andereklinische Züge aufweisen, und endlich lehrt die Erfahrung, daßeinzelne Anfälle des manisch-depressiven Irreseins sehr häufigdurch äußere Schädlichkeiten ausgelöst werden . Wir müssenjedoch darauf gefaßt sein, daß ein nächster Anfall bei unsererKranken auch einmal ohne greifbaren Anlaß zum Ausbruchekommen wird.

Auf Grund dieser Erwägungen werden wir bei unserer Kranken

Kraepelin, Einführung. 2. Aufl. 2