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II. Vorlesung.
„im Essen ist Gift, lieber Himmel“. Aufforderungen befolgt siezögernd, widerstrebt bisweilen, läßt sich jedoch durch Zuredensichtlich beeinflussen. Bei Bedrohung mit einer Nadel kreischt sieund wehrt heftig ab. Das Essen muß ihr meist eingegeben werden.
Es wird Ihnen bei der Betrachtung der unfreien Haltungunserer Kranken, der Langsamkeit und Gebundenheit ihrer Be-wegungen, die nur bei der ängstlichen Abwehr lebhafter werden,klar geworden sein, daß wir es auch hier mit einer Willens-hemmung zu tun haben, die vor allem in dem fast völligen Weg-fallen der sprachlichen Äußerungen wie der Ausdrucksbewegungenauffällig wird. Dazu kommt aber gegenüber dem vorigen Krankeneinmal die stärker ausgeprägte Angst, welche die Kranke für Zu-reden und Beeinflussungen weit weniger zugänglich erscheinenläßt, als es dort der Fall war, dann aber namentlich die schwereStörung der Verstandestätigkeit. Die Kranke ist gänzlich unklarüber ihre Lage, versteht nicht, was um sie herum vorgeht, vermagkeine geistigen Aufgaben zu lösen. Zu der Erschwerung der Willens-handlungen hat sich demnach hier eine solche des Denkens gesellt.Sie werden Sich jedoch erinnern, daß eine derartige Störung auchbei dem vorigen Kranken im Beginne des Anfalles vorhanden war,und daß sie erst späterhin mehr und mehr zurückgetreten ist. Inder Tat ist diese „Denkhemmung“, wie wir sie nennen wollen,eine ganz regelmäßige Begleiterscheinung der Depressionszuständedes manisch-depressiven Irreseins; sie ist nur bald stärker, baldschwächer ausgeprägt und wird meist von den Kranken selbst sehrdeutlich empfunden.
Da auch die Stärke und die Färbung der gemütlichen Ver-stimmung beim manisch-depressiven Irresein innerhalb ziemlichweiter Grenzen schwanken kann, so werden wir im Hinblicke aufdie ausgeprägte Hemmung des Wollens und Denkens zu der Auf-fassung kommen, daß der vorliegende Fall derselben Krankheits-gruppe angehört wie der vorige. Daraus würde sich für uns dieWahrscheinlichkeit ergeben, daß bei der Kranken früher oderspäter ähnliche Anfälle, aber auch wohl Erregungen nachzuweisensein werden. Einen gewissen Anhalt für die Beurteilung ergibtuns schon die merkwürdige Tatsache, daß die so ängstlicheKranke bei längerem Zureden in überraschender Weise anfängt,ihr Gesicht zum Lächeln zu verziehen. Die Bedeutung dieses