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II. Vorlesung.
Sprechen große Mühe mache; die Lippen bewegen sich schonetwas, bevor der Laut herauskommt. Der Kranke ist klar überZeit und Ort, kennt die Ärzte und gibt an, daß er seit mehrals 5 Jahren krank sei, vermag aber näheren Aufschluß nicht zugeben, als daß er gemütsleidend sei; Angst habe er nicht. Überseine Verhältnisse wie über sein früheres Leben macht er auf Be-fragen kurze, durchweg zutreffende Angaben. Rechenaufgaben löster zwar langsam, doch richtig, auch wenn sie ziemlich schwierigsind. Seinen Namen schreibt er auf Wunsch mit zögernden, aberfesten Zügen an die Tafel, nachdem er sich schwerfällig erhobenhat. IrgendwelcheWahnvorstellungen, insbesondereVersündigungs-ideen, sind nicht festzustellen; der Kranke gibt nur an, daß er ge-drückter Stimmung sei, ohne dafür einen anderen Grund zu wissen,als daß sein Leiden schon so lange daure und ihm Sorge mache.Er hofft jedoch, wieder gesund zu werden.
Wie Sie sehen, haben wir es offenbar auch hier im wesent-lichen mit einer gemütlichen Verstimmung zu tun wie inden früher besprochenen Fällen. Allerdings haben sich zu derselbenkeine Wahnbildungen gesellt wie dort, doch werden wir nichtgeneigt sein, darauf allzu viel Gewicht zu legen, nachdem wir er-fahren haben, in wie weiten Grenzen die Wahnbildung bei derselbenKrankheit schwanken kann. Dagegen muß uns auffallen einmal,daß dieser Kranke nicht ängstliche, sondern einfach „gedrückte“Stimmung zeigt, noch mehr aber, daß er anscheinend außer-stande ist, sich frei zu äußern und zu bewegen, wie es die früherbetrachteten Kranken taten. Dort hatten wir es mit lebhaftenAusdrucksbewegungen, mit Jammern und Klagen, mit einem ge-wissen Bedürfnisse zu tun, der inneren Beklemmung Luft zumachen, während wir hier aus dem Kranken mühselig jede Äuße-rung über seine inneren Zustände wie über sachliche Fragen heraus-ziehen müssen. Gerade der Umstand, daß die Antworten auchüber gleichgültige Dinge so langsam erfolgen, zeigt uns, daß wir esbei dem Kranken nicht etwa mit einer Scheu, sich auszusprechen,sondern mit einer allgemeinen Behinderung der sprachlichenÄußerungen zu tun haben. Ja, es sind auch nicht allein diese,sondern alle Willenshandlungen bei ihm auf das äußersteerschwert; er ist seit etwa 3 Jahren außerstande, vom Lageraufzustehen, sich anzukleiden, sich zu beschäftigen, und liegt bereits