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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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II. Vorlesung. Cirkuläre Depressionszustände.

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streckt sich mit vielfachen Schwankungen meist über 12 Jahreund selbst noch länger.

Die Behandlung des Leidens wird in der Regel nur in derAnstalt geschehen können, da Selbstmordgedanken fast niemalsausbleiben. Treten derartige Neigungen hervor, so bedürfen dieKranken der genauesten Überwachung bei Tag und bei Nacht. Manlegt sie ins Bett, sorgt für reichliche Ernährung, die freilich oft wegenihres Widerstrebens auf große Schwierigkeiten stößt, regelt dieVerdauung und sorgt, soweit möglich, durch Bäder oder Arzneienfür ausreichenden Schlaf. Am meisten empfiehlt sich das Par-aldehyd, unter Umständen der Alkohol oder gelegentliche Trional-gaben. Gegen die Angst wendet man das Opium in allmählichsteigender und dann wieder fallender Gabe an, etwa 1040Tropfen3 mal täglich. Bei unseren beiden ersten Kranken hat dies Mittelvielfach recht gute Dienste getan, während wir bei der drittenmehr Erfolg von kleinen Paraldehydgaben gehabt haben. GroßeVorsicht ist bei der Entlassung nötig. Erfolgt sie zu früh, wiebei der zweiten Kranken, so können schwere Rückfälle mit Selbst-mordversuchen dadurch ausgelöst werden. Auch Besuche dernächsten Angehörigen pflegen bis in die letzte Zeit der Krankheithinein ungünstig zu wirken.

II. Vorlesung.

Cirkuläre Depressionszustände.

M. H.! Der Kranke, den Sie heute vor Sich sehen, ist ein43jähriger Kaufmann, der sich seit etwa 5 Jahren fast ununter-brochen in unserer Klinik befindet. Er ist kräftig gebaut, abermangelhaft genährt, zeigt fahle Hautfarbe und leidenden Gesichts-ausdruck. Mit müden, kleinen Schritten tritt er ein, setzt sich lang-sam und bleibt in etwas gebeugter Haltung sitzen, fast regungslosvor sich hinstarrend. Auf Befragen wendet er ein wenig denKopf und antwortet nach einer gewissen Pause leise und einsilbig,aber sachgemäß. Man hat dabei den Eindruck, als ob ihm das