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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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I. Vorlesung.

die Rückverbringung in die Klinik erfolgen mußte. Hier bessertesich der Zustand bisher ganz langsam und unter vielen Schwan-kungen. Sehr verzögert wurde die Erholung durch das Auftretenkariöser Erkrankungen am rechten Scheitelbein und an der linkenHandwurzel, die wiederholte Eingriffe nötig machten, sich jetztaber ziemlich günstig gestaltet haben.

Auch diese Kranke ist vollkommen klar über ihre Lage undgibt zusammenhängende Auskunft über ihren Zustand. EigentlicheWahnbildungen sind bei ihr, abgesehen von der Befürchtung, nichtwieder gesund zu werden, nicht vorhanden. Vielmehr finden wir alswesentlichen Inhalt des ganzen Krankheitsbildes nur eine dauerndeängstliche Verstimmung mit denselben Begleiterscheinungen,die uns auch bei den Gemütsbewegungen Gesunder bekannt sind,mit Störung des Schlafes, der Eßlust und der allgemeinen Ernäh-rung. Die Übereinstimmung mit den Angstzuständen Gesunderwird noch dadurch vergrößert, daß die Verstimmung sich an einenäußeren schmerzlichen Anlaß angeschlossen hat. Dennoch er-kennen wir leicht, daß die Stärke und namentlich die Dauer dergemütlichen Verstimmung hier die Grenzen des Krankhaftenüberschritten 1 hat. Die Kranke empfindet es selbst deutlich, daßihre Angst durch die Lage, in der sie sich befindet, nicht begründetist, und daß sie eigentlich keinen Anlaß hätte, sich den Tod zuwünschen.

Allerdings ist dieses Verständnis für die krankhafte Natur derAngst, dieKrankheitseinsicht, bei der Melancholie, der auchdieser Fall angehört, durchaus nicht immer vorhanden. Namentlichin jenen Fällen, in denen Wahnbildungen stärker in den Vorder-grund treten, kann jenes wichtige Zeichen lange Zeit hindurchgänzlich fehlen. Als Beispiel zeige ich Ihnen eine 46 jährige Witwe.die vor 274 Jahren einen Sohn pflegte, der an Typhus erkrankt war,dann selbst eine fieberhafte Krankheit durchmachte, vermutlichebenfalls Typhus, und endlich einige Monate später plötzlich ihrenMann verlor. Sehr bald nachher begann sie ängstlich zu werdenund sich Vorwürfe zu machen, daß sie ihren Mann nicht recht ge-pflegt habe. Rasch entwickelte sich dann ein ausgeprägter Ver-sündigungswahn. Sie habe von jeher alles nicht recht gemacht, sichvom bösen Feinde führen lassen. Ihr Gebet habe keinen Wertgehabt; sie habe das früher nur nicht gewußt. Ihr Mann habe