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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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Melancholie.

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ins Gefängnis geworfen, vor Gericht geschleppt, hingerichtet zuwerden.

Infolge der inneren Unruhe und der quälenden Vorstellungenentwickelt sich bei den Kranken fast regelmäßig der Wunsch, nichtmehr zu leben, so daß sie ungemein oft zum Selbstmorde greifen.Unser Kranker hat freilich nur ziemlich schwächliche Selbstmord-versuche angestellt. Ich zeige Ihnen jedoch nunmehr eine 54 jährigeWitwe, die sehr ernste Anstrengungen gemacht hat, sich ums Lebenzu bringen. Die Kranke ist erblich nicht belastet, heiratete mit30 Jahren und hat 4 gesunde Kinder. Vor 2 Jahren starb ihr Mann;seitdem war der Schlaf schlecht. Als dann ihr Haus wegen derErbteilung verkauft werden mußte, wurde die Kranke ängstlich,meinte, sie käme nun in Not, obgleich sie bei ruhiger Überlegungihre Befürchtung als grundlos erkannte. Sie hatte Hitze im Kopf,Bangigkeit am Herzen, fühlte sich schwach und aufgeregt, warlebensüberdrüssig, besonders am Morgen, konnte auch mit Schlaf-pulver nachts keine Ruhe finden. Plötzlich kam ihr der Gedanke:Was tust du noch länger auf der Welt? Mach, daß du fort-kommst, daß sie Ruhe haben; es langt ja doch nicht mehr. Dannhängte sie sich hinter dem Hause an ihrem Schnupftuche auf undverlor die Besinnung, wurde aber von ihrem Sohne wieder abge-schnitten und in die Klinik gebracht.

Hier war sie ganz besonnen, geordnet in Denken und Benehmen,hatte auch Verständnis für die Krankhaftigkeit ihres Zustandes,fürchtete aber, nie mehr gesund zu werden; sie könne es nicht mehraushalten, nicht dableiben, müsse verzweifeln. Sie hatte ein sehrlebhaftes Bedürfnis, sich über ihren Zustand auszusprechen, jam-merte laut, sie habe solche Angst; ein Geistlicher solle kommenund den Bösen austreiben. Dabei geriet sie in ein starkes Zitternam ganzen Körper. Sie habe keine Ruhe, könne nicht mehr liegen;der Kopf schlage so, das Herz zerspringe; sie könne nicht mehrleben, wolle zu Hause sterben; Selbstmordgedanken quälten sieunablässig. Schlaf und Appetit waren schlecht; sonst bestand keinenachweisbare körperliche Störung. Im Laufe der ersten Monatebesserte sich die Stimmung ziemlich rasch, so daß auf den dringen-den Wunsch der Angehörigen eine Beurlaubung in die Familie derTochter versucht wurde. Dort aber traten Angst und Selbstmord-gedanken sofort mit solcher Stärke hervor,| daß schon nach 14 Tagen