Druckschrift 
5 (1864)
Entstehung
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sich gern als einen Chevalier und ritterlichen Troubadour hätte den-ken mögen.-Mit seinem lieben Gemüth, seinem

ausgezeichneten Geiste wußte er Zustände und Verhältnisse, bald mitErnst und Gefühl, bald mit Witz und Humor immer richtig auf-zufassen. Manchmal war er voll der heitersten Laune, fröhlich wieein Kind, zu Spiel und Scherz aufgelegt. Er sprach das Deutschezwar nicht ohne Anstoß, an sich war es jedoch vortrefflich und dieUnterhaltung mit ihm immer angenehm und interessant. Ich mochteihn am liebsten deutsch sprechen hören, obgleich sein Französisch auchvorzüglich war. Alle diese liebenswürdigen Eigenschaften, seineInnigkeit und Treue, Verstand und Güte, gaben sich bald in seinemWesen kund, man mußte ihn bald lieb haben, ihm volles Vertrauenschenken. Mein Bruder hatte mir oft mit begeisterter Liebevon seinem Freunde Chamisso gesprochen, von seinem liebenswürdigenund eigenthümlichen Wesen erzählt, hatte mir und andern Freun-dinnen manches aus seinen Briefen mitgetheilt, das so schön, soinnig uns entzückte, uns von seinen Gedichten vorgclesen, die wir,als von einem Franzosen herrührend, als besondere Merkwürdigkeitbetrachteten, und die, obgleich an Werth und Bedeutung seinen spä-teren nachstehend, immer zart und tief gefühlt waren, und unsereBewunderung erregten. Um so begieriger war ich auf die Bekannt-schaft eines so seltenen Mannes. Nie werde ich die schönen leben-vollen Tage unseres ersten Beisammenseins vergessen! Er war mei-nem Bruder durch die innigste Freundschaft verbündet, und das miteiner Gluth und Wärme, wie sie in unfern Tagen bei der Jugendseltener Gedeihen in solchen: Maße findet, eine Freundschaft,die zu allem Schönen und Hohen begeisterte, über Weh und Druck

jener Zeit emporhob, zu Trost und Zuversicht gereichte.-

Als einen so innigen Freund meines Bruders nannte ich ihn auchBruder, er mich Schwester, zu großer Verwunderung mancher Men-schen, die ein solches Verhältniß zwischen einem jungen Mädchenund jungen Manne, die anderweitig noch nicht gefesselt waren, nichtfür möglich hielten."

Von Hamburg kehrten die Freunde nicht über Nennhausen,wie sie Fouque versprochen, sondern auf dem geraden Wege nach