172
59 .
An Varnhagen in Berlin.
Hameln den 28. September 1606.
Ich hoffe, lieber Adelph, Du wirst noch bei Zeiten und inHalle meinen letzten dicken Brief erhalten haben, worauf Neumann'sBrief (mit Lafope's Zettel ohne Zeitbestimmung) mir nicht eineAntwort zu sein scheint. Diese Schreiben müssen sich Tag fürTag gekreuzt haben, doch habe ich umsonst die eigentliche Antwortvon Dir erwartet. — Auch an Neander hatte ich darin geschrieben.—Noch ein Wort über Eure Sammlung, und was sie von mirmit an den Tag bringt, vermuthlich zu spät, — was aber schonversehen sein mag, soll mich nicht anders kümmern, und werde iches verschmerzen. — Ich wünsche (wenn Ihr die Stanzen habet auf-nehmen wollen), daß sie das erste meiner Gedichte seien, und dieschon angegebene Veränderung nicht vernachlässigt, nämlich anstatt:„Dem Zuge folgend" u. s. w. lese: „Der Führung folgend"u. s. w. Unmittelbar darauf das Sonett; aber ja nur mit derAufschrift „Sonett" und keiner andern Bestimmung. „Sehn-suchtslilie", unmittelbar darauf: „Sehnsucht". — Ich wünschesehr, daß „die Nase" ganz weggeblieben sei. Es würde mir äußerstunangenehm sein, wenn Ihr sie hättet drucken lassen, wäre es auchnur darum, daß Ihr sie in einer schlechten Abschrift habt und daßsie ganz anders jetzt aussieht. Der Druck des „ Encheiridion"soll mich sehr erfreuen, und wünsche ich, daß zwei kleine Elegien,die ich Euch in meinem letzten Briefe sandte, mit ausgenommenworden seien; sie wären, glaub' ich, am besten zwischen: „Kind,was ist Gott" u. s. w. und: „Schaut das Kapitel Mat-thäi" einzuschalten. In diese Gegend doch der Sammlung gehörensie hin, und nicht ans Ende.*)
*) Die erwähnten Gedichte sind nicht veröffentlicht worden; sie finden sichin Chamifso'S Papieren, er hat sie aber nicht für geeignet zur Aufnahme unterdie Gedichte gehalten.