Druckschrift 
4 (1864)
Entstehung
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A n h a n g.

Ueber malayische Volkslieder.^)

Es giebt eine ursprüngliche Poesie, die dem Menschen einwohnt,wie die Stimme den Vögeln. Das Volk läßt sich von unbefugtenVorsängern nicht verleiten, sondern bleibt seinen eigenen Liedern ge-treu. Ein Lied, das im Volke angeklungen, überschreitet oft, un-begreiflicher Weise, die Scheidegrenzen der Sprachen, erhält sich durchden Wechsel der Zeiten, und man trifft auf den entlegensten Punk-ten Europa's unter örtlichen und eigenthümlichen Gesängen dieselbenLieder wieder an. Ja man wird oft überrascht, wenn man die Lie-der von Völkern, die einander gänzlich fremd geblieben sind, zusam-men vergleicht, sie einander so ähnlich zu finden, als wären sie auseiner Quelle geflossen, und es verhält sich auch also: es sind Stim-men der Natur.

Wir finden im Munde unseres eigenen Volkes Lieder, die unsdie Pantun, die Volkslieder der Malayen auf den ostindischen In-seln, auf das treffendste vergegenwärtigen.

Es ist nicht lang, daß es g'regnet hat,

Die Bäumli tröpfeln noch

Ich Hab' ein Mal ein Schätz'l gehabt,

Ich wollt', ich hätt' es noch."

*) Aus dem Morgcnblatt 1822, Nr. 1, Einleitung zu der Uebersetzung ma-lahischer Volkslieder, Bd. 3. S. 133.