48
Es bewohnen viele verschiedene und verschiedenredende Völker-schaften dieser Menschenrace die Inseln des ostindischen Archipelagus.Leyden stellt uns die reinere im Innern der Insel gesprocheneMundart des Javanischen dar als mit dem Sanskrit nahe und innigverwandt. Die einfachsten Gegenstände und Begriffe werden durchWörter ausgedrückt, die vom Sanskrit nur in der Aussprache abzu-weichen scheinen, wie es der Gebrauch eines minder vollkommenenAlphabets nothwendig bedingt*). Sprache, Monumente und Ge-schichte weisen auf Indien zurück.
Die Geschichte zeigt uns zuerst im zwölften Jahrhundert einedieser Völkerschaften, die Malauen, von der Gegend Manangkabauim Südwesten von Sumatra, ihrem ersten Wohnsitze aus, ihre Er-oberungen und das Gesetz Mohamed's, welches sie von handelndenArabern empfangen, sowohl auf dem festen Lande der HalbinselMalacca als an den Küsten der übrigen Inseln ausbrcitend. Diebekehrten Völker werden oft mit ihnen verwechselt und die Ausdrücke:Malayen, Mauren und Mohamedaner ohne Kritik als gleichbedeu-tend gebraucht.
Wir finden im dritten Buch des Marco Polo ein Bild dessen,was dieser Archipelagus am Ende des 13. Jahrhunderts war, unddieses Bild ist noch heute treffend; die Bemerkungen dieses Reisen-den sind im Bereich seiner eigenen Erfahrungen immer treu, unddie Fabeln, die er auf Autorität erzählt, sind an den Orten, wo ersie gesammelt hat, noch nicht verschollen. Pigafetta verdient eingleiches Lob. Marco Polo fand, daß die Menschen, so im ReicheFelech auf der Insel Klein-Java am Meere wohnten, Mohamedanerwaren, die das Gesetz Mohamed's von den Kaufleuten gelernt, diedahin verkehrten. Pigafetta, der im Jahre 1521 auf Tidori war,berichtet, daß die Mauren seit etwa fünfzig Jahren die Molukkenerobert und ihren Glauben dahin verpflanzt hätten. Die Wörter-fammlung, die er dort machte, stimmt mit dem jetzigen Malayischeiiüberein.
DaS Mälayische ist in diesem Theile der Welt zur allgemein
*) I. o. p. 190.