Druckschrift 
4 (1864)
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

verschwinden nicht mit gleich furchtbarer Schnelligkeit von der Erde.Die Anzahl der Weißen nimmt dagegen zu.

Die Verachtung, welche die Missionare gegen die Völker hegen,an die sie auSgesandt sind, scheint uns bei ihrem frommen Geschäftein unglücklicher Umstand zu sein. Keiner von ihnen scheint sichum deren Geschichte, Bräuche, Glauben, Sprachen bekümmert zuhaben.Es sind unvernünftige Wilde, und mehr läßt sich von ih-nen nicht sagen! Wer befaßte sich mit ihrem Unverstand, wer ver-wendete Zeit darauf?"

In der That, diese Stämme stehen tief unter denen, welche dienördliche Küste und das Innere von Amerika'bewohnen. Sie sehenim Ganzen einander ähnlich, die Tcholovonen etwa ausgenom-men, die wir bald an ihrer ausgezeichneten Physiognomie unterschei-den lernten (was die Väter selbst nicht vermochten). Alle sind vonsehr wildem Ansehen, von sehr dunkler Farbe. Ihr flaches breitesGesicht, aus dem große wilde Augen hervorleuchteu, beschattet schwarzund dicht ein langes flaches Haar. Die Abstufung der Farbe, dieSprachen, die den Wurzeln nach einander fremd sind, Lebensart,Künste, Waffen, verschiedentlich bei einigen am Kinn und Hals ta-tuirte Linien, die Art wie sie sich zum Krieg oder zum Tanz denKörper malen, unterscheiden die verschiedenen Stämme. Sie lebenunter sich und mit den Spaniern in verschiedenem, freundlichem oderfeindlichem Verhältnisse. Die Waffen sind bei vielen Bogen undPfeile; diese sind bei einigen von außerordentlicher Zierlichkeit, derBogen leicht und stark, am äußern Bug mit Thiersehnen überzogen,bei ander» ist er von bloßem Holz und plump. Einige besitzen dieKunst (eine Weiberarbeit), zierliche wasserdichte Gefäße aus farbigenGrashalmen zu flechten, meist aber vergißt der Indianer in derMission seine Industrie. Alle gehen nackt, alle sind ohne Pferde,ohne Kähne irgend einer Art. Sie wißen nur Bündel von Schilfzusammen zu fügen, die sie durch ihre specifische Leichtigkeit überdem Wasser tragen. Die au den Flüssen wohnen, leben vorzüglichvom Lachs, dem sie Fangkörbe stellen; die in den Bergen von wildenFrüchten und Körnern. Keiner aber pflanzt oder säet, sie brennennur von Zeit zu Zeit die Wiesen ab, ihre Fruchtbarkeit zu vermehren.