Und der Meister hieß sie sich entkleiden-,Also that sie, willig, sonder Scheue;
Nicht die Spangen einzeln erst zu lösen,
Riß sie hastig in der Naht die Kleider,Schneller nur dem scharfen TodesschnitteIhren reinen Busen zu entblößen.
Auf des Meisters Wink bestieg den Tisch sie,Legte hin sich, ließ die zarten GliederFest mit Riemen und in Eisen schließen.
Als der greise Meister jetzt des MädchensJungen Leib ersah, deß nicht ein schön'rerMocht' auf Erden je gefunden werden,Jammert's ihn im Herzen zum Verzagen,Daß so schön sie sei und müsse sterben.
Aber er ergriff das krumme Messer,
Prüfte dessen Schärfe, fand mit NichtenSie so schneidig, als er wohl begehrte.
Und er nahm den Schleifstein, strich bedächtigHin und her darauf die krumme Klinge,
Oft mit leisem Finger sie versuchend.
Sanfter mocht' er gern den Tod ihr anthun.
Aber draußen wand indeß in ZweifelSich der arme Heinrich, und des AusgangsHarrend sprach er so zu seinem Herzen:
Herz, mein Herz, sei hart in dieser Stunde,Hast nicht selbst die grause That verschuldet;Hat das sanfte Kind sich doch ihr SchicksalSelbst ersonnen, selbst ja will sie sterben!Wende dich dem Leben zu, der Freude,
Laß die Tobten ruh'n! der Tod der Unschuld,Solcher Unschuld Tod ist zu beneiden!