356
Sich der Osten, trat sie leisen SchrittesAn das Bett des Siechen, kniete niederSeinen Schlaf bewachend, bis die SonneIn die Kammer schien und ihn erweckte.
Und der erste Blick des armen HeinrichFiel ins Aug' ihr, das verkläret strahlteIhres reinen Herzens sanften Frieden.
Und er fragte: Liebe Frau, was bringt dichHeute zu mir her so früh am Tage?
Flehend hob gefaltet ihre HändeSie zu ihm empor und sprach in Demuth:Hab' an meinen Herrn wohl eine Bitte;
Zürne mir mein Herr nicht; darf ich hoffen,Daß ich nicht vergebens werde bitten?
Wohlgefällig ruht' auf ihr sein Auge:
Was ich darf vor Gott und meiner Ehre,
Das getrau' ich mir, dir zu verheißen.
Sie darauf: Mein lieber Herr, ich dank' euch,Sag' euch auch, was ihr mir habt gewähret.Jammernd sahen wir die Tag' und NächteEurem Leide zu, dem soll geholfenWohl noch werden; seht, ich bin die Jungfrau,Die aus freiem Muth sich fest entschlossenAus der Brust das Herz wird schneiden lassen.Auf denn, nach Salerno! laßt den MeisterSeine Kunst an eurer Magd beweisen.
Lange Zeit sah zweifelnd, fast erschrocken,Thränen in den Augen, er die Maid an;Sprach besonnen dann, sie zu versuchen:
Kind, du seltsame, dein fromm Gemuthc,