Druckschrift 
1 (1864)
Entstehung
Seite
352
Einzelbild herunterladen
 

352

Drauf der arme Heinrich bitter lächelnd:

Bin zu Montpellier und zu SalernoHülfe suchend früher wohl gewesen;

Von den weisen Meistern nicht der Eine,

Nicht der Andre mochte Trost mir geben,Schlechten Trost nur Einer zu Salerno,

Der mich lehrte, wie ich zwar zu heilen,

Aber ungeheilt doch müsse bleiben.

Drauf der Meier: Herr, ihr sprecht in Räthseln,Und der Kranke: Wohl, das Räthsel lös' ich:Schafft mir, sprach der Meister, eine Jungfrau,Die aus freiem Muth für euch zu sterbenSich entschließt, und aus der Brust das Herz sichSchneiden läßt, so will ich wohl euch heilen.

Es verstummten Beide, Stille ward es.Lauschend saß die Maid, wie sie gewohnt war,Unbemerkt ihrem Herrn zu Füßen,

Und ein leises Wimmern ward vernommen.

Als darauf zu Nacht die beiden AltenSich gelegt, das Kind zu ihren Füßen,

Konnte sie vor Herzeleid nicht schlafen.

Ihres Herrn gedenkend troff der Regen .

Ihrer Augen auf der Eltern Füße,

Die verstöret aus dem Schlaf erwachten.

Um ihr Weh befragte sie der VaterJetzt mit sanften, jetzt mit strengen Worten,

Bis ste's länger nicht verhehlen konnte:

Denk' ich unsres güt'gen Herrn und seinesBittern Elends, muß ich immer weinen.

Ach, es giebt den Bessern nicht auf Erden!