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Der Zeus-Typus in seiner Ausgestaltung durch Phidias
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der Betrachtung des Zeus von Otricoli ausgehen, eines Werkes,welches von dem Geiste und der Schaffenskraft der Kunst desPhidias noch so deutliche Spuren an sich trägt. Denn ZeusOtricoli und Juno Ludovisi sind auch nach Overbeck nichtsanderes als die besten Repräsentanten einer großen Reihe gleich-artiger, auf ein und dasselbe Urbild zurückgehender Nachbildungen.

Diese Schaffenskraft des Phidias erschien ja nun schonseinen Zeitgenossen so außergewöhnlich, daß sie in dem Gefühle,daß dieselbe über das gewöhnlich menschliche Maß hinausgehe,nach Hülfen für den schaffenden Künstler, nach einer Quellesuchten, aus der er seine Inspiration schöpfte. Wo anders abersollten sie diese Quelle suchen, als bei Homer; und so wurdedann auch bald allgemein eine Stelle des Homer als diejenigebezeichnet, nach der das Künstlerauge des Phidias das Bildseines Gottes sich ausbaute.

Als nämlich der Völkerfürst Agamemnon den Zorn desAchill durch die Wegnahme seines Beuteantheils, der Brise'is,erregt, da wendet sich die den Göttern entsprossene Mutter desPeliden, Thetis, an Zeus selbst, ihn um Vergeltung für ihrenSohn anstehend und ihre Bitte mit den Worten schließend:

Aber o du gieb Ehr' ihm, Olympier, Ordner der Welt, Zeus!

Stärke die Troer so lange mit Siegkraft, bis die Achäer

Meinen Sohn mir geehrt und hoch mit Ehre verherrlicht.

Und Zeus, obgleich er voraussieht, daß er sich damit Zankund Feindschaft mit Hera herausbeschwöre, endet die Zusagedieser Bitte mit Wort und Zeichen der Gewährung:

Aber wohlan, mit dem Haupte dir' Wink ich es, daß du vertrauest,Solches ist ja meiner Verheißungen unter den GötternHeiligstes Pfand; denn nie ist wandelbar oder betrüglich,

Noch unvollendet das Wort, das mit winkendem Haupt ich gewähret."Also sprach und winkte mit schwärzlichen Brauen Kronion;

Und die ambrosischen Locken des Königs wallten ihm vorwärtsVon dem unsterblichen Haupt; es erbebten die Höh'n des Olympos. ^

(S8S)