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Der Zeus-Typus in seiner Ausgestaltung durch Phidias
Entstehung
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Aon keinem Kunstwerk wird bei den Griechen mit größererEhrfurcht gesprochen, als von dem Zeus des Phidias; es galtfür ein Wunder der Welt. In wie wunderbarer Großheit diesesZeusbild strahlte, von welch' erhabener Majestät die Bildungdes Hauptes und der Gliedmaßen gewesen sein muß, welcheFülle schöpferischer Phantasie sich in dem prachtvollen Bilder-schmuck ausprägte, der dem Standbild als Folie diente,davon legt die Meinung der Alten Zeugniß ab, welche den füreinen Unglücklichen erklärte, dem das Anschauen dieses Bildesnicht vergönnt war. Leider nun macht es diese allgemeine, un-getheilte Bewunderung, welche der so gewaltigen Schöpfung zutheil wurde, sehr begreiflich, daß kein griechischer Schriftsteller, derzur Zeit des Phidias oder bald nach ihm lebte, es für nöthig fand,auf das Wesen desselben näher einzugehen, ja das Bildwerk nureingehend zu beschreiben; denn wer wollte noch beschreiben, wasjeder Grieche aus eigener Anschauung kannte. Nur eine Be^schreibung des erst sechs Jahrhunderte nach Phidias lebendenPausanias, von dem uns ein Reisebuch erhalten ist, und welcherdie Statue noch sah, ist es daher, welche uns von den äußerenEinzelheiten Kunde giebt, aus denen sich das Werk aufbaut, sodaß wir dadurch wenigstens eine annähernde Vorstellung vonder mannigfaltigen Schönheit und Pracht dieses unerreichten undunerreichbaren plastischen Kunstwerks gewinnen.

Sammlung. N. F. VI. 136. 1^ (653)