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Der Zeus-Typus in seiner Ausgestaltung durch Phidias
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Es ist dies jener bedeutungsvolle Gang zum Realismus,den die griechische Kunst wie alles andere mit größter Gesetz-mäßigkeit und Nothwendigkeit zurücklegte. Die eine Richtung,welche vor allem nach Ausdruck der Affekte, der stürmischleidenschaftlichen, wie der ruhig anmnthigen strebte, mußte dazugelangen, die zufällig momentane Erregung vor dem beständigenGrundwesen vormalten zu lassen. Und dies mußte dazu führen,daß man statt der Halbgötter und Dämonen, die Praxitelesund Skopas zu ewigen, idealen Bildern der Affekte geschaffenhatten, daß man statt ihrer ohne Umschweife an einenalltäglich wirklichen, zufälligen Moment jene Erregungen, ver-bunden mit individueller Charakteristik der der Wirklichkeit ent-nommenen Person, darzustellen unternahm. Daß gerade Lysipposals ein Hauptvertreter dieser neuen Richtung erscheint, stehtwieder vollkommen in Harmonie mit seinem ganzen Kunst-charakter; denn überall, in seiner Veränderung der alten Pro-portionen, in seiner Neuerung der Haarbehandlung, zeigt sichsein Streben nach Ausdruck der unmittelbaren Wirklichkeit.Ja, es steht damit in engster Verbindung eine neue geistigeAuffassung mythischer Gegenstände; denn überallhin verbreitetsich jetzt durch das Streben nach momentaner Wirklichkeit eineAuffassung, die man am besten als genrehaft bezeichnet, da sieweniger auf die Darstellung des individuellen Wesens dermythischen Person, als auf die einer allgemein reizenden Situationzielt. Um nur ein Beispiel anzuführen, so tritt dieses Strebennach einer allgemein menschlichen, künstlerisch interessantenSituation sehr deutlich an dem sogenannten Jason hervor, d. h.dem Hermes, der, einen Fuß auf eine Erhöhung stellend, sichdie Sandale auszieht: ein bestimmtes, für den Götterbotenalltägliches Motiv bildet den Inhalt, nicht sein inneres Wesen.So haben wir in diesen Gestalten des Lysipp den sprechendstenGegensatz zu den der älteren Schule des Phidias angehörenden

3* MS)