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Der Zeus-Typus in seiner Ausgestaltung durch Phidias
Entstehung
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aufdrängte und seine Raubgier zügelte, aus diesem Kopfedes Gottes geleuchtet hat, davon giebt uns die Thatsache denbesten Beweis, daß, während so viele Kunstwerke nur um desErzes oder ihres sonstigen Materials willen vernichtet wurden,dies Bild des Zeus, obgleich es doch wie kein anderes denräuberischen Sinn reizte, noch fast achthundert Jahre lang anseiner Stätte blieb und nicht durch Menschenhand, sondern durcheine Feuersbrunst zu Grunde ging.

Doch ganz ist für uns das Werk auch durch diese Feuers-brunst nicht verloren gegangen; denn besonders von dem Kopfe,also dem wichtigsten Theil des Zeus, wie ihn Phidias schuf, istuns eine Nachbildung erhalten, nämlich die sogenannte Maskedes Zeus von Otricoli, welche in den Sammlungen des Vatikanzu Rom noch erhalten ist, und welche immer zu den werthvollstennoch erhaltenen Werken des Alterthums gezählt worden ist.

Freilich gehört ja dieser Zeus von Otricoli erst einemKünstler aus der Zeit Alexanders des Großen an, stammt alsoerst aus der Zeit der schon von ihrer Höhe herabsinkenden Kunst.Dennoch zeigt dieser Kopf so eigenartige und großgedachte Züge,daß ihn ein Künstler jener Zeit nicht geschaffen haben könnte,wenn er nicht ein großes Vorbild gehabt hätte, das er nur soweit umbildete, als er durch das ganze Kunstschaffen seiner Zeitdazu gedrängt wurde. Wo anders nun aber sollte dieser Künstlersein Vorbild' gefunden haben, wenn nicht bei dem von allenGriechen so hochverehrten Zeus des Phidias? Und um so un-befangener konnte er diesem Vorbilde folgen, als ja der griechischeKünstler älteren Schöpfungen und Meisterwerken ganz andersgegenüberstaud als der moderne. Das Alterthum forderte nichtwie die Neuzeit bei jedem neuen Künstler eine immer wiederfrei schaffende Originalität. Wenn das Ideal einer Gottheiteinmal seine vollkommene Wiedergabe in einem Kunstwerke er-fahren hatte, so verfiel kein nachfolgender Künstler auf den

(SS8)