Print 
2 (1891)
Place and Date of Creation
Page
366
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
 

366

ließe. Von der Gräfin Platen hat siegerade herausgesagt, man solle in ihrerKammer leise reden, denn ihr OnkelsKurf. Ernst August) schlafe in derNebenkammer bei der Gräfin. Es mußein falsch Thier sein, weil sic von denenspricht, welche sie am meisten caressierthat. Es ist nicht wahrscheinlich, daßdie Gr. Platen sich an einen so jungenMenschen wie Königsmarck sollte ge-macht haben; ich glaube vielmehr, wieE.L. sagen, daß sie ihn flattiert hattein der Hoffnung, daß er ihre Tochterheirathen möchte, denn er war einegute Parthie. Es kann aber wohlsein, daß Königsmarck aus Eitelkeitder gewesenen Kurprinzeß hat weismachen wollen, daß alle Weibsleute inihn verliebt seien, damit sie ihn destoangenehmer finden möge, u. weil sichdie Prinzeß nachher hat verrathen ge-sehen, hat sie sich eingebildet, die Grä-fin wäre schuld daran" I8S; 28. Nov.1694:Der König hat mich an derTafel gefragt, ob es wahr sei, waser in etlichen Briesen gelesen: daß dieKurprinzeß sich gerechtfertigt hätte u.begehre, sich wieder mit ihrem Herrnzu vergleichen unter 3 Bedingungen:

1) daß man ihr c. öffentl. Erklärunggeben sollte, daß sie unschuldig ange-klagt wäre, 2) daß man die Gr. Platenals ihre Anklägerin wegjagen sollte,u. 3) daß man Graf Königsmarck ausfreien Fuß stelle. Ich habe darauf ge-antwortet, daß ich Solches nicht glaubenkönnte, da E. L. nichts davon ge-schrieben; daß ich wohl wüßte, daß sieselber begehrt hätte, von ihrem Herrngeschieden zu sein. Und was die Gr.Platen betr., so glaube ich nach dem,was ich von dieser gewesenen Kur-prinzeß gehört u. wie ich die Gräfinkennte, daß die Elftere mehr boshaftist, als die Letztere. Was mich nochgegen diese gewesene Kurprinzeß pi-quiert und macht, daß ich ihr Unglückihr wohl gönne, ist, was mir Lassay >von ihr erzählt, nämlich daß sie E. L- s

haßte u. nie mit dem schuldigen Re-spect von E.L. gesprochen. Das mußja ein gar verflucht Thier sein, welchesalles Unglück verdient. Das hat michso ereifert, daß Lassay hat drüber lachenmüssen. Ich kann nicht begreifen, daßOnkel sie nicht hat gleich nach deritalien. Reise einsperren lassen, dennsie hat es ja damals schon genug ver-dient, so ein tolles Leben geführt zuhaben" 186; 16. Dec. 1694:Ich be-greife nicht, warum diese Prinzeß soauf Scheidung treibt, denn darauskann ihr ja nie etwas Gutes kommen.Ich habe auch dem Könige gesagt, daßdie Gr. Platen nichts mit der Sachezu thun hätte u. daß ich glaubte, Laßes schwer wäre, Königsmarck wiederhervorzubringcn. Alle, die der Kur-prinzeß böses Maul empfunden, sindjetzt wohl an ihr gerächt, denn Nie-manden zu sehen und zu sprechen istfür diese Prinzeß bei ihrem HumorStrafe genug. Weil dies Mensch ihremHerrn Vater u. ihrer Frau Mutterweis machen konnte was sie wollte,ist es ein Glück- daß man sie endlichdie Wahrheit hat glauben machen u.sie nicht mehr an ihrer Tochter Bos-heit hat zweifeln können. . Lassay istgar inoässt, wenn man ihm von derKurprinzeß spricht; ich glaube, Königs-marcks Exempel macht ihn bang" 188;19. Dec. 1694:Ohne den Tod seinerFrau Wittwer zu werden, ist dochetwas Seltenes. Ich kann es demKurprinzen nicht verdenken, daß er vonkeiner andern Heirath hören will, erist zu sehr ertappt worden, u. cs wärekein Wunder, daß ein solcher Humor,wie seine gewesene Gemahlin gehabthat, ihm einen Abscheu gegen alleWeiber giebt. Ich hätte nicht gedacht,daß Herzog Georg Wilhelm so vielFestigkeit hätte, seine Tochter nicht zusehen u. sie eingesperrt zu lassen; erist sehr löblich hierin u. beweist, daßEhre u. Gloire seine größte Passionist" 189; 23. Dec. 1694:Wie ist es