183
lungen ist. Freilich sprechen bei dem bildenden Künstlerhauptsächlich die Werke. In vielen Fällen ist es abernicht leicht, dieselben objectiv zu charakterisiren. Bei Re-thel mindert sich vielleicht die Schwierigkeit, weil er inseinen Arbeiten so überaus klar in Gedanken und Dar-stellungen auftritt. Man braucht meistentheils den Inhaltnur mit kurzen Zügen anzugeben, nm sich von der Origi-nalität seiner Werke zu überzeugen, in deren Behandlunger stets ganz einzig dasteht.
Und so scheint sich mir nach meinen Untersuchungendas Ergebniß festzustellen, daß Rethel aus dem Gebiet derKunst der größte geschichtliche Maler unserer Zeit ge-wesen ist. Ich will mit diesem Urtheile übrigens Petervon Cornelius und Friedrich Overbeck, sowie Karl FriedrichLessing, Wilhelm von Kaulbach und Moritz von Schwindnicht entgegentreten. Cornelius steht sogar an allgewaltigerpoetischer Kraft über ihm. Ich halte ihn, wie dies auchschon früher bemerkt worden ist, für den. größten Darstellergermanischer, hellenischer und christlicher Mythen. Auf dembiblischen Gebiet ist dann ferner Overbeck von keinem Zeit-genossen übertroffen worden. Im deutschen Märchen undjener Phantastik, die in demselben wurzelt, stehen Schwind,und im Fache der Satire Wilhelm von Kaulbach als dieersten Meister, während im mittelalterlichen Genre undder Stimmungslandschaft keiner über Lessing emporragt.Dagegen hat sich Rethel am besten auf thatsächliche wirk-liche Geschichte verstanden. Sehen wir von all seinen ein-zelnen Werken ab und lenken unsere Betrachtung nur aufseine encyklischen Arbeiten, die uns in der ersten Jugendschon die Bonifaciusbilder, in seiner Manneskraft die karo-