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Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
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kleine Reichsritter oder mancher Untertlian Albrechts sicliauf diese Weise die Gunst des mächtigen Kurfürsten zu ge-winnen suchte.

Allen andern Schenkgehern voran steht der Papst selbst,der grosse Kunstmäcen Leo X., ein Geistesverwandter unsresCardinais. Im Jahre 1520 übersandte er Albrecht dtirch sei-nen Gesandten Marino Carraciola die, wie üblich, am viertenKastensonntage (Laetare) geweihte goldene Pose, eine Ehrung,die, wie der Papst selbst in dem Begleitschreiben liervorliob'),zum ersten Male einem geistlichen Fürsten, wenn auch inseiner Eigenschaft als Kurfürsten, zu teil wurde, währendsonst nur weltliche Fürsten wie im Jahre vorher' dersächsische Kurfürst damit ausgezeichnet wurden. Die gol-dene Kose nahm denn auch im Halleschen Heiligtum den ers-ten Platz ein. Wohl schon früher war ein anderes päpst-liches Geschenk, ausdrücklich fürs Neue Stift bestimmt, in Al-brechts Hände gelangt: ein Dorn von der Krone Christi, dernach dem Heiligtumsbuche im Jahre 1520 in einesilberneTafel mit 6 geschmelzten Gläsern gefasst war 1 2 ), im Jahre1526 aber, nach Ausweis des Liber Ostensionis, in demgrösseren weissen alabasternen Monstränzlein aufbewahrtwurde, während das kleinere weisse alabasterne Moustränz-lein Partikelvom Haare unsres Seligmachers Jesu Christi,welches vorgenannte päpstliche Heiligkeit auch hierherge-schikt, enthielt (L. 0. II, 62. 63.). Da hier die Herkunft vonder Kurie nur von dem Heiligtume berichtet wird und da wirden Dorn seinen Platz wechseln sehen, müssen wir annehmen,dass der Papst die Reliquiare nicht mit übersandte dennsonst iiätte man doch auch diese als päpstliche Geschenke ge-ehrt und die Reliquien in ihnen belassen, dass vielmehrAlbrecht das Heiligtum , was wenigstens den Dorn anlangt,zunächst in der schon vorhandenen oder doch schnell herge-stellten silbernen Tafel barg, dann aber für die besonders

1) 6. Juni 1520: (Mieg,) Monumenta pietatis et literaria viroriuu in republica et literaria illustrium selecta, Trkf. a. M. 1702, pars II, pag. 46.

2) H. H. II 22. = L. 0. II 18., doch bewahrt die Tafel in letzteremandere Reliquien. Unter dengeschmelzten Gläsern sind wohl auf derRückseite bemalte Gläser, sogenanntes verre eglomise, zu verstehen, wiewir ein solches auf einem weiterhin zu besprechenden KusstäfelchenAlbrechts finden.