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Die Form dieser Behälter war eine sehr mannichfache. Invielen Fällen entsprach sie der Art der Reliquien. Wir sahenschon, wie eine Partikel vom Kreuz Christi auch in einemgoldnen Kreuze, einem Standkreuze, gefasst war. Fernerenthielt ein die Marterwerkzeuge Christi tragender Engel Stückevom Kreuze, von der Säule, von der Dornenkrone (Gang II, 5.des L. 0.; Hirth 21), die silberne Darstellung der Auferstehung(L. 0. Gang II, '39., Hirth 19) Partikeln vom heiligen Grabe,und auch sonst finden wir vielfach auf den Reliquiaren mitPassionsreliquien Scenen aus der Leidensgeschichte Christidargestellt. Die Skelette der Heiligen wurden in Särgen auf-bewahrt, während man für sonstige Erinnerungen an dieselbengern das Stand- oder Brustbild des betreffenden Heiligenverwandte. Das Haupt des Erasmus war beispielsweise ineinem Brustbild des Heiligen geborgen, hatte man aber etwaeine Armröhre, so wurde ein bekleideter, eventuell auchbepanzerter Arm aufgestellt, der durch einen offenen Spalt oderdurch ein kleines Glasfenster die Reliquie sehen liess (Hirth30. 31. 59.1, wogegen das zur Aufbewahrung von Reliquiender h. Ursula, insbesondere von Teilen ihres Schiffes bestimmteReliquiar auch die Form eines „silbernen übergoldeten Schiffes“annahm (L. 0. VIII, 17. Hirth 50)').
Solcher schiffartiger Geräte, teilweise in Pokalform, werden3 in unserm Verzeichnisse (Liber Ostensionis) aufgeführt (II, 45.VII, 13. VIII, 17.), während man silberner, meist vergoldeterArme nicht weniger als 9 besass, wozu noch ein silbernervergoldeter Finger auf hohem Fusse und ein kleiner silbernerArm kommt, der wohl nur als Halter für das Messer der h.Elisabet dient (Gang IX, 14.). Die silbernen „Bilder“, d. h.Statuen oder Statuetten, und Brustbilder — mit welchemAVorte aber bisweilen auch ganze Figuren gemeint sind (cf.VII, 36. VIII, 24. 29.) — ergeben gar die erstaunliche Zahl 67!Darunter sind allein 6 Marienbilder, 3 stellen den Heiland inverschiedener Gestalt dar, sämtliche Apostel (13, wie bei denPfeilerstatuen der Stiftskirche) sind vertreten, und schliesslichfolgen eine Unmenge Darstellungen männlicher und weiblicherHeiligen. Dazu kommen noch einige statutarische Gruppen
1) Of. Heydemann in der Kunst-Chronik XXIY, 329.