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Hände auf dem Erasmusbilde, erklären sich einfach daraus,dass der Künstler als heiligen Erasmus den Cardinal selbstdarstellte, also ein Portrait zu liefern hatte, und dabei auchauf die Wiedergabe der reichberingten Hände grössere Sorgfaltverwendete als auf den übrigen Bildern. Das Alter des Dar-gestellten kann sehr wohl 6 bis 8 Jahre mehr betragen alsauf dem Grünewald’schen Bilde, also aus dem Jahre 1531stammen, das Gesicht ist bereits dicker und schwammigergeworden. Die Stellung und Haltung des Bischofs ist inbeiden Darstellungen genau die gleiche, nur ist an stelle desMessgewandes ein reich mit Edelsteinen und Perlen besetztesPluviale getreten. Im übrigen aber haben diese Tafeln mitGrünewald sehr wenig gemein, vielmehr erinnert sehr vieles, sonamentlich die Behandlung des Grases und des übrigen Fuss-bodens sowie der Hintergründe, an Cranach. Am auffallendstenzeigt die Verwandtschaft mit diesem Meister die nahezu völligeÜbereinstimmung des Gesichtes der h. Magdalena mit dem derEhebrecherin eines Cranach’schen Bildes derselben Galerie(Nr. 277.)
Wenn es mir so auch nicht möglich gewesen ist, mit vollerBestimmtheit die Autorschaft Meister Simons an diesen Tafelnnachzuweisen, so hat die frühere Vermutung der Kunstgelehrtendoch durch jene archivalische Notiz eine neue Stütze und einenhohen Grad von Wahrscheinlichkeit erhalten.
Ist unsre Annahme richtig, so haben die Gemälde ur-sprünglich in der sogenannten Wunderstube der Moritzburggehangen, in der ausserdem noch ein Altar mit Gemälde er-wähnt wird. Da diese Stube als „neu“ bezeichnet wird, soliegt sie jedenfalls in dem von Albrecht neu errichteten Teileder Burg, in dem an der östlichen Seite über dem östlichenZugänge sich erhebenden Turme, an dem wir noch heute desErzbischofs Wappen erblicken. Hier befand sich eine kleineKapelle, die noch im 17. Jahrhundert (von der französischenGemeinde) zum Gottesdienst benutzt wurde 1 ): vielleicht istdiese mit der Wunderstube identisch. Wie Albrecht in seinemTestamente 1540 die Altartafel aus dieser „Stube“ der MainzerKirche zu S. Peter ausserhalb der Stadtmauern vermacht,
1) Erauz Knauth, St. Moritzburg zu Halle a. d.. Saale, Halle 1853, S. 12.