Druckschrift 
Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

177

war, bei den grösseren Anforderungen, welche an die Personenunsrer Kirche gegenüber denen der Pfarr- und der meistenKlosterkirchen durch die grössere Zahl der gottesdienstlichenFeiern gestellt wurde, ihnen wenigstens nun auch das Psallierenund Singen zu erleichtern, das in grossen Räumen namentlichzur Winterszeit sehr anstrengend ist, während andrerseits derkleinere Kaum für die weniger bedeutenden Gottesdienste, andenen nur eine geringe Zahl von Personen beteiligt war, voll-ständig genügte. In manchen Kirchen waren daher wenigstenssogenannte Winterchöre eingerichtet, an der Stiftskirche jedochwurde der kleine Chor jahraus jahrein benutzt.

Ausser dem Hochaltar, dem Ciborienaltar des Marienchorsund dem Kreuzaltar führt sonach unser Verzeichnis von 152517 Altäre auf, und zwar scheinen diese damit vollständigverzeichnet zu sein. Denn es werden in demselben Inventarbei Aufzählung der Teppiche17 gemeyne tebicht, gut undböse, vor dye altaria, und an andrer Stelle fünf Mal hinter-einander je 17 gleichfarbige Antependien aufgeführt, derenBestimmung,vor dye cleynen altaria zcw gebrauchen, zu-meist noch ausdrücklich angegeben wird. Ferner werdenneben 10 weissen Tüchern mit roten und schwarzen Kreuzen,welche zur Fastenzeit die an den Mauern hängenden Gemälde,ein Crucifix und Kreuzstäbe bedecken sollen,18 weysse ante-pendia, und tucher (d. h. leinene Altartücher, pallae) dortzu,mitt rothen und schwartzenn creutzenn aufgeführt, die alsooffenbar demselben Zweck wie die 10 Tücher dienen sollten.Es sind 18: während sonst der Kreuzaltar durch ein besonderesAntependium ausgezeichnet war, trägt in der Fastenzeit, woaller Schmuck verdeckt wird, begreiflicherweise auch er dasgleiche schmucklose Gewand wie das übrige Schiff, während imChor, durch den Lettner abgesondert, ein anderer Modus derVerdeckung des Schmuckes nicht auffallen konnte 1 ). Es habensonach im Schiff der Kreuzaltar und 17 Nebenaltäre (altariaminora) Platz gefunden, immerhin eine stattliche Anzahl, wennauch unsre Kirche hierin nicht mit dem Magdeburger Domewetteifern konnte, in dem man in jenen Tagen nicht wenigerals 48 Altäre zählte 2 ).

1) Beilage 17, S. 48*, 46*, 47*; vgl. auch 43*.

2) Nach Otte, Kunstarcliäologie I 129.

Bedlich, Cardinal Albrecht.

12