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Als aber der „Neue Bau“ zu Wohnzwecken bestimmtwurde, machte sich ein Abschluss desselben nachNorden, gegen die Stiftskirche hin, notwendig. Es entstanddas Gebäude, das uns verhältnismässig noch am besten er-halten ist und das durch den nach der Strasse vorspringendenrunden Abschluss mit seinen abgerundeten Strebepfeilern und dembekrönenden kleinen Türmchen auch schon von aussen ammeisten in die Angen fällt 1 2 ). Das Erdgeschoss dieses Nord-flügels nehmen zwei gewölbte Bäume — man möchte sagen:Gänge, wenn sie nicht, wenigstens der südliche, dazu zu breitwären — ein, die neben einander laufend die ganze Länge desGebäudes durchziehen. Ein langer schmaler Streifen an derNordwand wird durch ein Tonnengewölbe gebildet, währendder etwas breitere südliche ein prächtiges spätgotisches Stern-gewölbe mit scharf hervortretendem Rippennetz aufweist, dasauch im Osten, das Tonnengewölbe zurückdrängend, das ganzeRund jenes Vorbaues ausfüllt. Nach Westen hin wird diesersüdliche Raum, der hier der mineralogischen Sammlung derUniversität als Aufbewahrungsort dient (sein östlicher Teilwird als Schuppen verwendet), gegen einen Flur hin durchein vorzüglich erhaltenes spätromanisches Portal abgeschlossen:aüf attischer Basis mit Eckblatt erheben sich Säulen mitLaubwerkkapitellen und tragen einen mit Rosetten verziertenRundbogen s ). Das Portal dient lediglich dekorativen Zweckenund ist sicherlich einer der Bauten entlehnt, deren Material,wie wir sahen, zum Baue der Residenz mit verwendet wurde.;die Tradition lässt es vom Neuwerkskloster herstammen.
Das Obergeschoss enthält, neben einigen kleineren Räumen,als Hauptteil eine Kapelle, die bis vor kurzem der katholischenGemeinde das Gotteshaus ersetzte, gegenwärtig aber leersteht. Den Zugang bildet jetzt eine hölzerne Freitreppe aufder Hofseite, während früher wahrscheinlich überhaupt'keineTreppe in das Obergeschoss dieses Nordflügels führte und mansich, da die Kapelle keine öffentliche war, wie in den mittel-
1) Abbildung' bei Schönermark, Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen,X. F. I: Halle, S. 391.
2) Ansicht, Grundriss und Querschnitt in: Altere Denkmäler der Bau-kunst und des Kunstgewerbes in Halle a. S., hrsg. vom Kunstgewerbe-verein für Halle und den Regierungsbezirk Merseburg, I. Heft 1895,Tafel 1.