Druckschrift 
Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86

liclies. All diese Zwistigkeiten jedoch wurden gütlich beigelegt,ein ernsterer Streit zwischen beiden Körperschaften scheintnicht stattgefunden zu haben.-

Werfen wir einen Blick auf die gesamte Verwaltung desStifts, so bemerken wir, dass dieselbe fast durchweg noch aufder Naturalwirtschaft beruht. War doch das Stift gegründetmit den Mitteln eines alten reichen mittelalterlichen Klosters,dessen Haupteinnahmequelle, wie natürlich, der Grundbesitzbildete. Dann war vor allem das Kloster zum Neuen Werkhinzugekommen, das, aus dem frühen Mittelalter stammend,eine Menge Felder und Fluren, Dörfer und Vorwerke, Gärtenund Weinberge besessen hatte, die nun alle dem Stifte zu-fielen. Auch unterhielt das Stift, wie wir sahen, eine eigeneSchäferei, und viele Abgaben wurden ihm in Naturalien er-stattet).

Interessant ist es nun aber zu verfolgen, wie das Stiftbemüht ist, seine Einkünfte wenn möglich auf geldwirtschaft-lichen Fuss zu stellen. Allerdings bestehen von Anfang annicht alle Einnahmen des Stifts in Naturalien. Der Rat derStadt hatte gleich bei der Gründung einen jährlichen Bei-trag von 340 fl., die Zinsen eines Kapitals von 8000 fl., zuge-sichert, und auch sonst bezog das Stift manche kleineren Gefälle,die in barem Gelde gezahlt wurden -). Dazu kommen die Ein-nahmen aus dem Opferstock, die Strafgelder der Stiftsmit-glieder, wie auch einige Vermächtnisse oder Schenkungen 3 ).So war es möglich, dass den Stiftsherren von Anfang an ihr

probst, archidiacon und der heyligen geschryfft doctor, Nicolaus Munckdeehandt, Nicolaus Arnoldt cantor , Andreas Molbitz scolasticus und demganzen Kapitel der Stiftskirche. Urklc. NK. XIV, 10, S. 226.) ist vonirrigen gebrechenn an der landtwhere eyner für essen halber die Eede.Feueresse giebt keinen Sinn. In der Urkunde Ilreyhaupt I S. 927 Nr. 288heisst es: die Vor esse an der Landwehre am Radewellischen thore. Istdas Wort etwa eine Verstümmelung aus fortresse, was bei starker Betonungder 2. Silbe sprachlich wohl denkbar wäre? (EineLandwehr aus ältererZeit erwähnt Hertzberg I 285 N. 1.)

11 Cf. z. B. den Lachs aus Dessau, S. 44.

2) Z. B. nach der S. 85 N. 6 erwähnten Urkunde einen Wegezins von2 Groschen.

3) Z. B. S. 45 und 84.