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Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
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den Sachverhalt nur bestärkt.. Wie es aber gekommen, dassder eine schreiben durfte, während dem andern Schweigenauferlegt wurde, darüber lassen uns leider die Quellen völligim Dunkeln.

Wenn auch Vehes litterarische Thätigkeit später insStocken geriet, so findet dies vermutlich seine Erklärung darin,dass ihm die Geschäfte der Propstei, die ihm 1532 übertragenworden war, zu neuem Schaffen nicht mehr Zeit liessen.

Vehe ist also in der Zeit des Zusammenwirkens mit Crotusbedeutend produktiver als dieser und nicht so zaghaft wiesein einst so gefeierter College. Aber auch er greift nur un-gern zur Feder. Jedesmal erzählt er eine kleine Geschichte,wie er durch andre veranlasst , ja genötigt worden sei, überdiesen oder jenen Gegenstand zu schreiben, und glaubt so seinSchreiben gewissermassen entschuldigen zu müssen. Ärgernisder Schwachgläubigen, Gefährlichkeit und Nachteil der Wahr-heit, sagt er, zwinge viel zu reden und zu schreiben, die sichlieber Schreibens und Redens enthielten.Czancken und hadernvon denen dingen, so den glauben betreffen (wo ehs die nodtnicht erfordertt), hat mir nye gefallen. In den Schriften selbstist er dann oft ermüdend weitschweifig, so namentlich in dergegen Bugenhagen gerichteten, da ist nichts von der markigenKürze Luthers zu spüren, nur selten gelingt es ihm einmal,seinem Stile einigen rhetorischen Schwung zu verleihen ').-

Von den übrigen Stiftsherrn sind uns nur wenige bekannt.Nur gelegentlich in Urkunden erfahren wir die Namen derPrälaten, meist ist jedoch nur der des Propstes und desDechanten angegeben. Das Amt des Propstes war, nachdemes zuerst Johann Ryder 2 ), dann Stefan Geiseier 3 ) inne gehabthatte, zu jener Zeit, wie wir sahen, in der Hand des JohannDitlnnann. Dieser war vorher, wenn wir Dreyhaupt (I S. 849)Glauben schenken dürfen, Pfarrer zu Bernburg gewesen und1526 als Canonicus in das Neue Stift eingetreten. 1528 findenwir ihn, als Nachfolger des Conrad Steyerwalt, im Amt des

1) Cf. z. B. die Schrift gegen Bugenhagen Bl. Sla I h.

2) Siehe oben S. 40.

3) Urkunde vom 6. April 1528, s. S. 45 N. 1. Seine Memorie wird amEulaliatag, 10. Decerober, gefeiert, Nene Mitteilungen XY, S. 13., doch wirder hier Stephanus Greyszel genannt.