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So scheidet der einst so gefeierte Humanist sang- undklanglos aus dem Lehen. Von seinen ehemaligen Freundenhatte er sich getrennt, hei den neuen konnte er sich nichtwohl fühlen. Doch die Schuld trug der allerdings unglücklichVeranlagte seihst in seiner Zaghaftigkeit — ein Talent, dochkein Charakter.
Nächst Crotus war Michael Vehe der bedeutendsteKopf unter den Stiftsherren. Vehe scheint aus vornehmerFamilie zu stammen: seinen Bruder linden wir im Jahre 1535als Burggrafen (arcis praefectus) des den Deutschordensritterngehörigen Schlosses Mergentheim * 1 ). Schon im Jahre 1515 er-freute sich sein Name unter seinen Ordensgenossen — er ge-hörte den Dominikanern an — eines guten Klanges, sodassman ihm die Leitung des Heidelberger Dominikanerklostersübertrug 2 )- Von hier drang sein Ruf auch zum MainzerErzbischof, der ihn zu seinem Berater in kirchlichen Dingenberief und schliesslich an die Spitze seiner Lieblingsschöpfungzu Halle stellte 3 ). Im Frühjahr 1530 begegnet er uns zuerstin des Cardinais Diensten. Da auf dem nach Augsburg be-rufenen Reichstage namentlich die kirchlichen Verhältnissegeregelt werden sollten, so — meint Albrecht — käme es ihmals dem Primas Germaniae vor allem zu, eingehend vorbe-reitet und mit Gründen und Beweisen wohl gerüstet dort zuerscheinen. Deshalb schickte er Johann von Wiirtenberg undVehe nach Mainz, um sich dort mit Friedrich Nausea undandern Mainzer Gelehrten über die kirchlichen Dinge zu be-raten 4 ). Wie es scheint, befand sich Vehe damals mit dem
Anwesenheit des Crotus in Iiulda liegt jedoch in. E. kein Grund vor; denndie 1530 ausgesprochene Absicht, Fulda aufzusuchen, kann doch nach 10■Jahren nicht mehr massgebend sein.
1) Siehe unten, Widmung der Assertio.
2) Cf. das Citat in dem Nachwort Hoffmanns von Fallersleben zu seinerAusgabe von Mich. Vehes Gesang-büchlin, S. 121.
■ 3) Cochlaeus, Commentaria de actis et scriptis Martini Lutheri Saxonis,Mainz 1549, p. 238: Caeterum graviter ac erudite respondit teuthonicelibro eins (des Pomeranus-Bugenhayen gegen die Kelchdiebe) eximiusquidam theologus, ordinis praedicatorum, doctor Michael Velius, quem obprobitatem et eruditionem in praepositum Hallensis ecelesiae in Saxoniaassumpsit sibique in consiliarium ascivit . . . dominus cardinalis —.
4) Epistolarum misceiianearum ad Fridericum Nauseam Blancicampianum,episcopum Viennensem etc, singularium personarum libri X, Basileae 1550,