Druckschrift 
Cardinal Albrecht von Brandenburg und das Neue Stift zu Halle : 1520 - 1541 ; eine kirchen- und kunstgeschichtliche Studie
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

der Kirche. Noch 1532, während des Tages zu Schweinfurt,hat ergute Hoffnung, die Uneinigkeit soll zur Einigkeitlaufen. Bei dieser Friedensliehe ist jedoch eine gewisseGleichgiltigkeit gegen die Glaubenssätze der Kirche nicht zuleugnen, während man doch in einer Zeit erbitterten Kampfesentschiedene Stellungnahme verlangen muss, zumal von einemGeistlichen, und der Friede, den er verlangt, ist der Grabes-ruhe nicht unähnlich. Wir lehren, so führt er in derApologiaaus wie die Kirche es verlangt, mag sie den Kelch ver-

weigern oder ihn gewähren. Nur soll niemand anders lehrenals die Kirche es vorschreibt, ihr allein steht das Recht derAbänderung zu. Als ob nicht der Anstoss zu Abänderungenvon Einzelnen ausgehen müsste, sei es nun, dass diese vonihnen selbst neu aufgestellte Thesen vorzubringen hätten oderals Wortführer einer grösseren Menge eine in langer Übungbethätigte Abweichung von der Lehre der Kirche verteidigten.Ohne derartigen Anstoss würde die Kirche in starrer Un-veränderlichkeit verharren müssen, denn nur im Kampfe gegendas Alte kann sich Neues durchsetzen. Unserin Crotus aberwar alle Störung der Ruhe verhasst. Er war eine schwäch-liche, ja ängstliche Natur.Es ist meine grösste Begier, soschreibt er kurz nach seiner Übersiedelung nach Halle an denHerzog von Preussen,dass ich möchte zufrieden sein beimeinen lieben Büchern; die stehen zu Leipzig und werden garschimmelig. Ich weiss nicht, wann ich wieder mit ihnen inEinigkeit kommen werde. Und am Schlüsse der Apologiaschreibt er seinem Freunde, er solle ihn künftighin mit sospitzfindigen Fragen in Ruhe lassen 1 2 ).

Über die weiteren Schicksale des Crotus ist uns leidersehr wenig bekannt. Nur in den folgenden Jahren, vomOktober 1531 bis zu Anfang des Jahres 1535, hören wir nochöfter von ihm in den Briefen seines schon erwähnten FreundesGeorg Witzei 3 ). Leider ist uns jedoch die andre Hälfte dieserOorrespondenz, die Briefe des Crotus, nicht mit erhalten.

1) Blatt D II: Sic docemus, licuit ecclesiae iustis de eausis statuere,non porrigendum communi inultitudini calicem doinini, corpus sufficere,licebit eidem, postquain solida ratio suaserit, decretum vel mitigare vel tollere.

2) Respondi epistolae tuae, post liaec [Text: liac] desine molestus esseaculeatis quaestionibus, in caeteris libencius teeum colloquar.

3) Epistolarum .... libri IV Georgii Wicelii, Lipsiae (Wolrab) 1537. 4°.

Redlich, Cardinal Albrecht. 5