Erzdiöcese und der Burg zu Halle, nach der Patronin derSchlosskirche, in der man ursprünglich das Collegiatstift hatteerrichten wollen, und nach einer kostbaren Reliquie, die inder Kirche auf bewahrt werden sollte — einem Stück von demTuche, welches das Gesicht des nach orientalischer Sitte ineine Menge Tücher und Binden gehüllten Leichnams Christiim Grabe bedeckt hatte, also einer sogenannten Passions-reliquie — ist sie benannt. Bald wird dann auch der heiligeErasmus als Nebenpatron der Kirche genannt * 1 ), ja er wirdsogar, wenn auch nicht von Albrecht, gelegentlich unter den-jenigen aufgeführt, zu deren Ehren das Stift errichtet sei' 2 ). —Zu dem neuen Plane bedurfte es vor allem der Zustimmungder Dominikanermönche. Sie wurde eingeholt und unterm14. Juni 1520 vom Papst bestätigt 3 ). Dieser versprach zudem,den Nuntius Marinus Carraciola zu weiteren Unterhandlungen
— Später trat im Titel der Kirclie an stelle des ad velum aureum: adsndarium domini, so zuerst in den Statuten von 1520 (Dreyhaupt I 898),später ganz regelmässig. Dreyliaupt I 892 heisst es: ecclesiam collegiatam,quam .... in honorem s. Manricii ac dive Marie Magdalene et omniumsanctorum .... eligimus, ereximus; es ist wohl hier nur eine Verwechslunguntergelaufen mit der Schlosskapelle, die neben der Maria Magdalena auchallen Heiligen geweiht war.
1) In dem später (Kapitel 4) zu besprechenden Halleschen Heiligtums-huche wird (Gang VI, 4. = Liber ostsnsionis, vulgo „Domschatz“ Gang VI, 6,Terey, Kardinal Albrecht etc. S. 48) ein Sarg erwähnt, „dor inne leyt dercörper des heiligen bisclioffs und merterers Erasmi, des mit patronsdiser löblichen stifftki rohen.
2) In der eben erst erörterten Urkunde der Mönche des Moritzklostersvom 30. August 1519, Dreyliaupt I 766, ist von dem Stift die Kede, dasAlbrecht zu gründen beabsichtige in omnipotentis Dei, intemerate et super-benedicte matris eius virginis Marie, sancte Marie Magdalene, sanctiErasmi ac omnium sanctorum celituum .... honorem. — Auch in dem derGlosse des Ignatius Stürll (s. unten Kap. 4; — Hallesches Trutz-Kom S. 10)zu gründe liegenden Erlasse heisst es: das Stift sei „unter dem Titel undAnrufung Sanct Moritz, Mariä Magdalena und Erasmi ad velum aureum“aufgerichtet worden.
3) Das päpstliche Breve, von Leo an Albrecht gerichtet, findet sich beiDreyhaupt I 788 unterm 1. Juli 1519 abgedruckt. Das Original ist jedochdatiert: anno .... millesimo quingentesimo vigesimo decimo octavo Ka-lendas Julii pontificatus liostri anno octavo. Dreyhaupt ediert nach jenemmehrfach erwähnten Copiale des Magdeburger Archivs (Urkk. Halle D. 69,fol. 86), wo das Wort vigesimo fehlt; die Tagesangabe decimo octavo ziehter daher zur Jahreszahl, und da 1518 nicht passen würde, macht er decimonono daraus.