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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 3.

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, Jean Paul Richter, der sein Gedächtniss mit sovielen Wunderlichkeiten befrachtet hatte, zeigt in denleisten seiner Schriften eine Bekanntschaft mit der«eraldik, die ihm nicht selten sinnreiche oder witzigeBilder liefert, wie folgende:

, »Manche Menschen haben bei den besten Krallen^ie der Adler des römischen Königs nichts darin.(Anm.:Um sich von dem Adler des Kaisers zu unter-scheiden, der in beiden Fängen etwas hält)."

Von einer Frau sagt er:sie konnte sich dem^vangelisten Marcus und Johannes gleich setzen, weilw heftiger Mann die Gesellschafts-Thiere beider, dieihierkönige Löwe und Adler, öfters repräsentirte, so^le sich manche andere Gattin in Hinsicht ihrer Be-gleitung mit dem Lucas vergleichen mag und meinemit dem Matthäus".

Auch ihm war freie Wahrheit der offne Helm«es Seelenadels".

Vier Einwohner eines Hauses, welche eine Kuh aufgemeinschaftliehe Kosten zur Mästung erkauft hattenäennt ervier Evangelisten, welche sämmtlich zum" appenthiere nur Ein Compagnie Thier und noch dazu^ir das weibliche des Lucas genommen". Die Kuh wirddemnächstmit verschiedenen heraldischen Schnitten,w ovon ich keine namhaft machen will als den Wellen-Schnitt, den Klee-, den Haupt-, den Zahn-, den Stufen-Und den Querschnitt, gerecht zerschnitzt.". Als einen dem großen Schotten abgelauschten Zuglinden wir Anspielungen auf das Wappenwesen bei demMarkischen Erzähler Wilibald Alexis 11 ) ja sogar bei

. 1)Es ist nämlich bekannt, dass Eger ehedessene me Reichsstadt gewesen und desswegen einen schwär-en Adler in ihrem Wapen führet. Kayser Ludwigaber hat selbige Anno 1315 dem König in Polen und^ohmen Johannes, um 40,000 Mark Silbers versetzet.u a (schreibt Pangratz Engelhard von Haselbach in sei-ner Egerisehen Chronik) hat Eger aufgehöret eine Reichs-stadt zu seyn; ss = = daher ist auch des Adlers,Welchen die Stadt zuvor ganz frey geführt, Untertheil?lffi Gezeugniss solcher Verpfändung canzelliret undln Schranken eingeschlossen." Jungendres S. 116.T 2) In der Novelledas Dampfschiff" (neue Novellenyoi. Berlin 1836) kommt ein blinder Harfenspieler vor,5?er augenscheinlich dem blinden Willy des Scott'schengomans Redgauntlet nachgebildet ist. Dieser blindeÄWfenspieler nun sagt:'Ehemalen war Constantinopel*Jie Hauptstadt vom römischen Reich.....und da-mals war das kaiserliche Wappen ein Doppeladler von^° J d. Seitdem aber die Türkenbünde Constantinopelgenommen haben, haben sie ihn schwarz angestrichen,W daher heissts jetzt: das deutsche Wappen ist einschwarzer Adler; das ist aber nicht wahr: es ist blos

dem Classiker der plattdeutschen Mundart Fritz Reuter.Ein Bild, das Reuter wiederholt anwendet, ist sogardem Scott'schen Roman Redgauntlet direct entlehnt.Hier heisst es nämlich:

Hätte ich nicht bemerken sollen, dass sich dashässliche Paar, die Mabel und der Christal auf denbeiden Seiten ihres Stuhles hingepflanzt hatten, wie dieSchildhalter des königlichen Wappens?"

Beuter dageaen sagt in Strotntid:Un hir stelltensick de beiden ollen Burfsen rechtsch und linkfeh biKurzen up un stunnen dor as de beiden Kirls up dewillen Manns-Gulden", dei einen springenden Löwenbewachten, dat hei nich up de Lud' geibt; blot dat debeiden ollen Knawen anständiger in'n Tüg gungen, asde willen Manns, un dat sei stats en Knüppel 'ne langePip in de Hand hadden."

Ferner in Festungstid :ick stunn dor as en Wapen-löw an den Transparenten.

In Franzosentid sagt der Müllerknecht Friedrich:Wi Preußen hewwen en Adler in 't Wappen un dorsteiht en latinschen Vers unner, dei hürt sich binah an,as wenn Ein en Parken in den Start knippt, un watuns' Feldwebel bi de Kumpani was, was en weglopenStudent un verstunn den Vers un äwerset't em: hollwiss, wat du hest, un nimm wat du krigen kannst."

Eine lustige Wappen-Anekdote erzählt Reuter inStromtid:In de irsten acht Dag' kämm ok all Besänkbi den Kammerrath, Pomuchelskopp was't in sinenblagen Lifrock mit de blanken Knöp un in de blankeKutsch, de noch en Schäpel statseber utsach, indem datsei nu noch mit en Wapen utzirt was, wat hei sickvon Wien för 'ne halwe Luggedur badd kamen laten,un wat en Döschkopp in blagen Fell'n führen ded',wotau de dummen Daglöhners, dei nicks von Dösch unblages Feld wüssten, ümmerDäskopp *) in en blagesFell" säden, indem dat sei mäglichcr Wis' 'ne perssöhn-liche Ähnlichkeit tuschen dat Wapen un ehren Herrnutfünnig makt hadden."

In dem Romane Katharina Ollsand von Johannesv. Dewall (Deutsche Romanbibliothek XL Jahrg. 1883.S.706) kommt folgendes Bild vor:Hinter ihnen folgte,dem Hamburger Wappen zu vergleichen, diestattliche Mama Ollsand in ihrem schwarzseidenen Sonn-tagsstaat . . ."

Auch in der Tagespresse finden wir Vergleiche undBilder die dem Wappenwesen entnommen sind, welchebeweisen, dass dieses noch immer bedeutende Resteihrer alten Volkstümlichkeit bewahrt hat.

So schrieb die Berliner ZeitungPost" in ihrerNo. 306 vom 7. Nov. 1880:Die heutige Fortschritts-partei die Trümmer der alten demokratischen Par-tei - hält die Tradition,das Volk" zu vertreten, un-gefähr so fest, wie Dynasten geschlechter inihren Wappen ehemalige Herrschaften auf-führen, in denen sie seit Jahrhunderten nichts mehrzu befehlen haben."

In einer Recension schrieb die BerlinerPost"(No. 234 vom 7. Decbr. 1882):Der echte Heraldiker

das Trauerwappen. Allein was sie sagen, dass er vonselbst schwarz angelaufen wäre, aus Gram, das ästimireich nicht und ist's albernes Gerede von Leuten, die sowas nicht verstehen. Aber sobald Constantinopel wiedergenommen wird, das ist gewiss, sobald wird der schwarzeAdler auf dem kaiserlichen Wappen wieder golden.Darum hat Prinz Eugen allezeit Constantinopel nehmenwollen, und er hätte sein rechtes Auge und seine rechteHand darum gegeben, aber es ging nicht und der Adlerblieb schwarz." Eine Parallel-Stelle befindet sich inAlexis' Roman Wärwolf 25. Cap.

3) Döschkopp ss Dorschkopf, Däskopp ss Dummkopf.