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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 3.

den einzelnen Papiersorten angebracht oder gleichzeitignach beiden Richtungen verwendet (angemeldet 1. Jan.1877).

Eine mechanische Buntweberei führt als Fabrik-zeichen ein Wappen, welches im Zeichnungsstyle aufHans Siebmacher hinweist. Auf eine Anfrage erhieltich die Antwort:Wie Sie ganz richtig vermuthen istes (das Wappen) dem Wappenbuche Siebmachers I V.Nürnberg bei Paulus Fürsten entnommen, das mir diegroßherz. Bibliothek s. Z. zur Verfügung stellte." Derbetreffende Industrielle bezeichnet das solchergestalteruirte Wappen alsmein Familien wappen."

Handelsmarke der Firma Schroeder & Koleda inWien I., Schottenring 10 für Papier-Ausstattung.

No. 616.

C. Hausmann in Barmen führt ein Eichhörnchenmit Eichenzweig als Marke für Dochte, für Lampen undKochapparate. Die Anbringung geschieht auf der Waareund deren Verpackung (1879).

Th. L. Mostert & Co. in Coblenz führt zwei Rosenund einen Schlüssel als Schutzmarke für Cigarren. Die-selbe wird angebracht als Brand auf den Kisten, inwelche die Cigarren verpackt sind, ferner in Druck aufden Etiquetten der Kisten und auf den Fakturen.

Die Firma Gustav Schatte & Co. in Dresden, welcheleuchtende Anstrichsfarben producirt, besitzt als Schutz-marke: in Roth auf grünem Boden ein schreitendessilbernes Einhorn.

8. Capitel.Das Wappenwesen in der Literatur.

Ueberreich ist die deutsche Literatur an Anspiel-ungen auf das Wappenwesen, welchem Vergleiche, Bil-der entnommen werden; es dient als Vehikel für Lob-sprüche, Ermahnungen, witzige Bemerkungen. Allediese Anknüpfungen haben von jeher das Vorrecht derpoetischen Licenz genossen. Budolphi sagt z. B. dassFarb-Deutungen in unserer Wappenkunst nicht zu dul-den" und fährt dann fort:Ich sage aber nur in derWappen-Kunst, dann ausser solcher ist denen Red-nern oder Poeten unverwehrt, um ihre Klugheit zu zei-gen, oder andern zu flattiren, nach ihrem Belieben undGeschicklichkeit einer Farbe diese oder jene Bedeutungzuzuschreiben."

Dessgleichen sagt Martin Schmeizel:So viel gebeich zu, dass die Redner und Poeten, wenn sie sonstein Geschicke haben in ihren Lob-Reden gar füglichauf das Wappen einer vornehmen Person eine artigeund sinnreiche allusion machen kennen."

Unerreichtes Vorbild in Bezug auf die verständniss-volle Verwendung heraldischer Motive ist ein Angehöri-ger jenes Landes,wo vornehm und gering geboreneGenealogen sind", der Schotte Walter Scott. Er weissdie Heraldik in einer erstaunlich vielseitigen Weiseseinen Zwecken dienstbar zu machen. Gar nicht seltentreten Heraldiker von Fach oder aus Liebhaberei in

seinen Romanen auf, so in Kenilworlh Meister Mum-b 1 a z e n, der seine Redefiguren regelmäßig der Wappen-wissenschaft entnimmt, z. B.

Geduld und Varney", murmelte Mumblazen vorsich hin,passen so schlecht zusammen, als Metallauf Metall. Er ist falscher als eine Sirene, raub-süchtiger als ein Drache, giftiger als eine Schlange,grausamer als der aufrechte Löwe" J ).

Ihr geht jetzt zu Hof, Meister Tressilian", sagteMumblazen,vergesst nicht, dass Eure Farben dortArgent und Or sein müssen keine anderen werdendort als gangbar anerkannt".

In Mobin dem Bothen ist Gwillym's Wappenkundedie einzige, lange Winternächte ausfüllende Leetüredes alten Sir Hildebrand Osbaldistone. Ebenda hälteine junge Dame, Diana Vernon, die zu den prächtigstenScott'schen Frauengestalten gehört, einem etwas blasir-ten jungen Manne eine Vorlesung über Wappenkunde:

Mit diesen Worten zeigte sie auf den geschnitztenEichenrahmen eines lebensgrossen Bildes von Vandijke,worauf in gothischen Buchstaben die Worte standen:Ver non semper viret. Ich sah sie fragend an; ""kennt Ihr", sagte sie mit einigem Erstaunen,unsernWahlspruch nicht den doppelsinnigen Wahlspruchder Vernons ? und kennt Ihr unser Wappenzeichen nicht,die Pfeifen" ? hier zeigte sie auf das in den eichenenSchild eingegrabene Wappen, um welches die Wortestanden.

Pfeifen! sie sehen aus wie Pfennigpfeifen.Werdet nicht unwillig über meine Unwissenheit", fuhrich fort, als ich die Röthe auf ihre Wangen steige 0sah.Ich kann unmöglich dadurch Euer Wappenschmähen, denn ich kenne mein eigenes nicht". .

Ihr, ein Osbaldistone, gesteht das selbst"! rietsie . . .

Mit Scham bekenne ich, meine theure Miss Ver-non, die Geheimnisse, welche die grimmigen Hiero-glyphen der Wappenkunde verbergen, sind für micheben so unleserlich als die auf den Pyramiden Egyptens

Aus dem Waverley, der besonders reich an heral-dischen Anspielungen und Motiven ist, habe ich früherbereits eine Stelle angeführt, die beweist, dass WalterScott ein gründlicher Kenner des Bartolus de Saxo'ferrato gewesen ist. Einer der am feinsten gezeich-neten Charaktere ist der tapfere und gelehrte, leideraber sehr pedantische Baron Cosmo Comyne Bradwardin«,ein Jacobit, welcher darauf besteht, dem PrätendentenKarl Eduard die auf seiner Baronie ruhende Lehns-pflicht, dem Könige die Stiefel auszuziehen, zu leisten.Eine Art Zeitung beschreibt diese Feierlichkeit und er-zählt zum Schlüsse:

Wir erfahren, ... dass Se. königl. Hoheit in ihresVaters Namen und Machtvollkommenheit das Wapp ender Familie auf ehrenvolle Weise vermehrt haben, näm-lich durch einen Stiefelknecht, mit einem bloßen Schwertegekreuzt, und darunter als Motto die Worte:Ziehund zieh aus"!

Unser nationaler Dichter Friedrich Schiller hat B»seinem grossen Drama Wallemtein das Stadtwappenvon Eger verewigt:

1) Die Figuren- und Farben - Deutungen sind ein«Eigentümlichkeit der englischen Heraldik. So nel9 ^:es auch in Shakespeare's Lustspiel Viel Lärmen «ff»^Nichts'

Beatrice: Der Graf ist ... höflich wie eineApfelsine und ein wenig von eben so eifersüchtig 8Farbe. ,

Don Pedro: In Wahrheit, Fräulein, diese herfU"dische Auslegung trifft zu ... .