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Geschichte der Heraldik. V. 3.
ist mindestens so peinlich, wie der Jäger. Wie diesemdie Haare zu Berge stehen, wenn er in einem Jagd-bericht einen nicht waidmännischen Ausdruck liest, soist der Heraldiker untröstlich, wenn irgendwo ein Schräg-balken nicht an richtiger Stelle steht. Darüber ist nichtzu scherzen. Accuratesse selbst in den kleinsten undunscheinbarsten Dingen ist eine unschätzbare Sache."
Eine Wasserstrasse, die den Rhein mit der Weserverbinden soll, besingt ein Leitartikel der Rheinisch-Westfälischen Zeitung (1885) in folgendem gelungenenVerse:
Durch des Canales SilberbandReichet der Rhein der Brema die Hand,Ihr silberner Schlüssel im rothen FeldEröffnet uns eine neue Welt!
Das Wappenwesen liefert nicht selten dem Pest-redner sinnreiche Pointen, die selbstverständlich vorAllem die poetische Licenz in Anspruch nehmen.
Auf der Versammlung des Hauptvereins der Gustav-Adolf-Stiftung im Grossherzogthum Sachsen, welche am5. u. 6. Juli 1887 zu Allstedt in der goldenen Aue ab-gehalten wurde, hielt Kirchenrath Förtsch aus Buttstadteine Ansprache, in welcher er, ausgehend von AllstedtsWappen mit dem Wilden Mann, des Reiches Adler undden gekreuzten Kuvschwertern den dreifachen Ruf andie Festgenossen ergehen Hess: „Wachet, stehet imGlauben, seid männlich und seid stark! Lasset uns auf-fahren mit Flügeln wie Adler! und Hie Schwert desHerrn und Gideon!" 1 )
Staatssecretär Dr. v Stephan hielt am 12. October1888 in Stralsund einen Trinkspruch, in dem folgendeStelle vorkam: „Weiter hätte er hier aber auch nochein schönes, wohl das größte Besitzthum gefunden,was er mit boher Freude konstatiren könne, und zwar„Tugend, Treue, Tüchtigkeit"; das wären die dreiStrahlen in dem Stralsunder Stadtwappen,das seien die wahren Ketten, mit denen Stralsund anden Himmel geschlossen sei, und so lange diese nichtiu der Bürgerschaft gewichen wären, würde Stralsundnicht fallen. Der Stadt- Stralsund und seiner Bürger-schaft gelte sein Hoch!" 2 )
Nicht zu vergessen ist das Spottwappen, dasin unserer modernen Literatur, in der politischen Tages-presse, namentlich den sogenannten Witzblättern starkin Gebrauch ist.
Die Münchener Fliegenden Blätter vom J. 1850(Band XI S. 186) enthalten ein Spottwappen auf denSenat der Freien Stadt Lübeck: roth-weiss getheilterSchild, darin ein mit der Zahl 7,500,000 bezeichneterSack, auf dem ein Hase kauert.
Der Lahrer hinkende Bote (Illustr. Familienkalen-der) auf das Jahr 1878 S. 146 entwirft für den damali-gen englischen Premierminister Lord Beaconsfield fol-gendes Spottwappen: „Der Minister DTsraeli, dessenStammbaum bis zu Abraham hinaufreicht, wurde zum„Lord" gemacht und hört jetzt auf den Ruf „Beacons-field" das heisst auf deutsch ungefähr Staugenfeld.„Beacon" entspricht dem deutschen Baake, ein See-zeichen am Strande, und das Wappen des Lords müssteungefähr so aussehen." (S. nächste Spalte).
Der mit dem Fez bedeckte Kopf an Stelle desHelms bezieht sich auf die Türkenfreundlichkeit desMinisters.
NO. 617.
1) Protestantische Kirchenzeitung. Heransg. vonJul. Ernst Websky, Dr. theol. Jahrg. 1887. S. 710.
2) Stralsundische Zeitung. 1888. No. 244. Dieselbebrachte übrigens, pedantisch genug, am darauffolgendenTage eine Richtigstellung der offenbar irrigen Auf-fassung des Herrn Staatssecretärs.
Das Wappen der von dem Herzog von Sachsen-Coburg-Gotha gefreiten jüdischen Familie Landau inBerlin [ihr Freiherrendiplom wurde bekanntlich vonS. M. dem Kaiser nicht anerkannt) wurde von demantisemitischen „Deutschen Tageblatt" (1882. No. 340)in folgender Weise verspottet: „Das Wappen ist roth,auf grünem Hügel eine mit drei Festungsthnrmen ge-krönte, gezinnte, graue Burg mit einem geschlossenenschwarzen Thor in der Mitte. Man sieht, die ganzeFarbenskala ist vertreten, nur Gold und Silber ist pein-lich vermieden. Und doch wären sie sehr passendgewesen und statt der Burg, welche die Landaus dochnur an die Zeit des „finsteren Mittelalters" erinnernkann, ein Geldschrank oder ein Wechselformular hesseram Platze."
Die „Cincinnati Commercial Gazette" sagte imFebruar 1884 zur Zeit der zurückgewiesenen Lasker-Adresse: „Bismarck begann (das Herabsetzen des ame-rikanischen Adlers) mit Insulten gegen das amerikani-sche Schwein*;, ein Thier, welches wegen seiner land-wirtschaftlichen, kommerziellen und für Ernährungs-zwecke erheblichen Bedeutung unser nationalesWahrzeichen sein sollte an Stelle des ruppigen,raubsüchtigen Adlers. Das Schwein, auf einem Fassmit „highwines" — einem anderen landwirtschaftlichen,industriellen und kommerziellen Produkt und unserergrössten Einnahmequelle — aufgerichtet, würde einwürdiges Wappenschild und Sinnbild für die materiellenInteressen und den praktischen Charakter unseres Vol-kes sein."
Die demokratische Berliner Volkszeitung erfand imMai 1885 für das preußische „Junkerthum" einen neuenWappenhelm: „Erdrückt von Schulden, wie es war,wurde es nur dadurch flott erhalten, dass ihm dieSchnapsbrennerei neues Geld- und Menschenkapital l ie *ferte. Sein Wappenhelm ist desshalb nicht der Armee-belm , welcher jedem Preußen eignet, sondern derDestillirbelm, welchen ihm Niemand streitig machenkann."
In derselben Zeit sagte ein hervorragendes Mit-glied der Centrumspartei von einem Berliner Blatte,welches das Zeichen des Kreuzes an der Spitze trägt,dass es dieses Zeichen schände und richtiger den Beu-tel des Ischarioth im Wappen führen würde.
Auch an Vorschlägen für volksthümliche Wappen*bilder fehlt es nicht, die zum Theil beweisen, wie nahees liegt, auffallende Eigenthümlichkeiten der Umgebungoder der Gewohnheiten zu Motiven für die Wahl einesWappens zu machen.
Maurus Jdkai erzählt, dass im ungarischen Volks*
3) Verbot der Einfuhr von amerikanischem Schwein 6 'fleisch!