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Geschichte der Heraldik : Wappenwesen, Wappenkunst, Wappenwissenschaft
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Geschichte der Heraldik. V. 3.

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und das Komitee hat dieses Versehen nicht bemerkt.Wie genau man es übrigens mit der Ueberwachung derdekorativen Arbeiten genommen hat, geht wohl a,useiner Thatsache hervor, die ein Heraldiker mitteilt.Auf dem Sammtvorhange der kaiserlichen Loge ist dashabsburgische Hauswappen angebracht, und diesesWappen ist unrichtig ausgeführt."

In dem Pflaster des üpernplatzes zu Berlin undzwar in dem Bündel in Mitte desselben, in welches einKreuzweg mündet, sehen wir den Reichsadler viermal,durch Stückung mit dunklen, (graublauen) Steinchenhergestellt. Der Adler hat allerdings sein Recht nichterhalten, - zum Schnabel und zu den Füssen ist nurder Ansatz vorhanden. Ausserdem sind das EiserneKreuz, einige Tatzenkreuze und verschiedene nicht-heraldische Ornamente durch Stückung mit dunklenSteinchen hergestellt. Der selige Bartolus wurde sichim Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, wie inBerlin das heiligste und das edelste Symbol des ChristenUnd Deutschen' mit Füßen getreten werden.

Die Sitte der nach Wappen benannten gemaltenWirthsh aus Schilde schwindet von Jahr zu Jahr.

In Berlin befindet sich ein Gasthauszum Pommer-sehen Wappen" ; zwischen der Hausinschrift mit dieserFirma befindet sich der rothe Greif, von einem moder-nenSchilder-Maler" rührend hingeworfen.

Das frühereHotel de Brandenbourg" (ü) am ben-darmenmarkt führte am Giebel des Hauses ein hölzernesBrett in Form eines Wappenschildes, mit dem AulerVon Brandenburg, unsagbar schlecht gemalt. Der Schildwar mit der Königskrone bedeckt.

Die Verwendung des Wappenschmuckes für kunst-gewerbliche Erzeugnisse hat in den letzten 10 Jahrengroßartige Fortshhritte gemacht. Während Biedenfeiaes im Jahre 1845 gewissermassen schüchtern betont,«dass es gestattet sein müsse, die Heraldik als Hills-mittel zur Veredlung von Künsten und Handwerken zubetrachten und anzuwenden" ist heute das Verstand-niss für den decorativen Werth der heraldischen b ormenin die weitesten Kreise vorgedrungen. 1 )

1) Dass der Wappenschmuck nicht nach Jeder-manns Geschmack, ist selbstverständlich. Es liegtauch gar kein Grund vor, die Verallgemeinerung desWappenbrauchs zu erstreben. Wir können daher, ohneins zu echauffiren, die nachfolgende Stelle eines imJ- 1882 erschienenen Romanes des HerrnGerhardv - Amyntor" lesen: , , , ,

Um Gottes willen, kein Wappen!" unterbrach leb-haft der Baron den Sprechenden -ich hasse dieseSucht, auf Sophaecken und Stuhllehne Familienwappenanzubringen, so dass jeder Gast, der sich in s^hemStuhle behaglich anlehnt, einen regelrechten Abdruck«es Wappens seines Gastfreundes auf dem Rucken mitnach Hause trägt." . ...

Nun, man könnte das Wappen ja ausserhalban der Lehne anbringen" meinte lachend der Bild-hauer. , ,.Nichts da! nein, nein! nur kein Wappen! dieseMode überlasse ich - Jedem, der an ihr Geschmackfindet. Ueber dem Portale eines alten Felsennestes hat?ir ein aus Stein gehauenes Wappen stets getanen,besonders wenn es von zudringlichem Epheu über-klettert wurde; - aber an Tischen und Stuhlen undfänden und Spucknäpfen das Wappen anzubringen -*?h weiss nicht, ich habe mich für diese Mode nie be-geistern können." , ,. 0 *«m«> <Up A Weiter ist von wappengeschmückten Stühlen dre

^ede, die für einen Bankier Brav gefertigt wurden."» fragt deralte Baron":

Hat der denn ein Wappen?

Das einzige Hülfsmittel für Wappenstickerei warbis in die neueste Zeit das Stickmusterbuch von Joh.Sibmacher, welches in zwei Neudrucken erschienen ist:

Ejans Sibmacber's Sticf. unb Spi^eu'JTtufterbudb.Zladj bcr Jlusgabe com 3a(jre (59" in facfimilirten Coptettherausgegeben oom ff. ©efterreiebifeben IHufeum. 2Ttiteinem Doriuorte, Titelblatt unb 35 Ittufterblättern. DritteAuflage. Wien. Drucf unb Derlag non Carl (Serolb'sSohn. (882. Quer 8.

3or/aitn Stbmacber's Heues Sticf- unb -Spitjen-OTufterbudi in ßo Blättern, itacb ber Ausgabe vom 3"b,re(60^ herausgegeben nott Dr. 3- 5. «Seorgens. Berlin,Derlag von (Ernft IDasmutr). (88(. Quer 8.

Sehr willkommen war daher das folgende Werk:

Dorlagen für IDapprn.Stieferei auf Canecas. (EineSammlung non fertigen Sticfmuftern tjeralbifcbcr Jigurenunb ganger IPappcu für beliebige §ufammenftellungen.(gegciduiet unb herausgegeben coit Subroig (Elericus unbHidjarb uou CßrumbfotD. (3 Cafein in 20fadjem^arbenbruef mit erlänternbem Cejt. Dresden 1888.

Die Vorlagen sind so eingerichtet, dass auch einLaie jedes gewünschte Wappen aus den gegebenenMusterbildern zusammenstellen kaun. Die Tafeln ent-halten ungefähr 600 einzelne heraldische Figuren u.ganze Wappen, als: Kronen, Helme, Schilde, Schild-und Helinbilder (Adler, Löwen etc.), Schildhalter; bürger-liche (Familien-), adeliche, Freiherren-, Grafen-, Fürsten-,Staats- etc. Wappen; ferner kirchliche Gegenstände,Embleme, Orden, Ritter Georg mit Drachen, Reichs-adler in kleiner und grösserer Ausführung, Alphabete.

In demamtlichen Verzeichniss der aus dem deut-schen Zollverein etc. zur Industrie-Ausstellung allerVölker in London (1851) eingesandten Gegenständewird erwähnt: Das Preußische Wappen, von Haaren inBürsten-Art gearbeitet, Preis 200 Thaler, ausgestelltvon H. M. Engeler u. Sohn, Kgl. Hoflieferant, Pinsel-und Bürstenfabrik in Berlin, Behrenstr. 36.

Der verstorbene Geh. Hofrath und Vorleser desKaisers Louis Schneider erzählt folgende Geschichte:Als König Friedrich Wilhelm IV. im Jahre 1852 zurJubiläumsfeier nach der Grafschaft Mors gekommenwer, überreichte ihm ein dortiger Fabrikant eine Westeauf welche das Mörser Wappen gestickt war; einezarte Anspielung, dass der König die Grafschaft stetsauf dem Herzen tragen möge. Nach Potsdam zurück-gekehrt, sagte eines Tages der König zu Schneider:Ich kann die Weste nicht tragen, auch sieht man dasWappen unter der Uniform doch nicht. Ziehen Sie dieWeste zu den Vorlesungsabenden an, dann kann ichwenigstens das Wappen sehen." Und so geschah es.Schneider erschien von nun an zu den Vorlesungen mitdem Wappen von Mors auf dem Herzen und der Könighatte dasselbe stets vor Augen.

Die Stände des Rheinlandes brachten dem PrinzenFriedrich Wilhelm von Preussen bei seiner Vermählungmit der Prinzessin Victoria den bekanntenRheinischenSchild" dar, der später auf mehreren Ausstellungen zusehen war. Der Rand des Schildes trägt die Wappender Geber, freilich zum Theil nicht ganz /ehlerfrei. Un-begreiflich ist aber die irrige Darstellung des Haupt-wappens; es zeigt unter der Königlichen Krone, denSchild der Prinzessin an erster Stelle und den des Prin-zen an der zweiten" ! ).

Er soll irgendwo im Auslande geadelt wordensein ich weiss es nicht vielleicht ist es auch nureiu Phantasiewappen, wie ein solches zu führen, jetztmehr und mehr Mode wird. Ein Stab und zwei Merkurs-flügel: die Attribute des Schutzgottes so hat HerrBrav selbst die Sinnbilder erklärt."

2) Berliner Blätter f. M. S. u. Wk. I. 216.